Auf den Spuren der Inkas

Ich laufe erneut Gefahr mich permanent zu wiederholen und wieder einmal fehlen mir genügend Superlative all das angemessen wiederzugeben was der heutige Tag an Eindrücken gebracht hat. Es muss die Höhenluft sein wie schon in Tibet und Nepal. Von vorne: Wir verlassen Arica mit unserer gebuchten Tour zu zweit plus Reiseführer, der uns zunächst einen Einheimischenmarkt zeigt und dort mit uns Früchte einkauft. Danach, drei Straßen weiter, befinden wir uns in einer Oase, wo ebendiese Früchte teilweise auch angebaut werden. Der größere Teil der Oase ist jedoch mit teils jahrhunderte alten Olivenbäumen bewachsen. Ein kleiner Fluss plätschert durch ein Tag mit kahlen, wüsten Bergen. Und dort dann das erste absurde Erlebnis. Mittelgroße Figuren schmücken die Hänge. Sie sind entweder aus Steinen zu Bildern von Tieren (Lamas) oder anderen Figuren gelegt oder durch Einkerbungen entstanden. Um die Originale von vor 1000 Jahren handelt es sich nicht mehr, sondern man renoviert alle ein bis zwei Jahre, denn sie korrodieren recht schnell. Am Fuße eines dieser Geoglyphen-Hänge existiert ein alter Friedhof, in dem die damals hier lebenden Indianer ihre Toten beerdigt haben. Merkwürdigerweise aufrecht stehend oder sitzend mit allerlei Stoff umwickelt. Viele dieser Toten sind mumifiziert worden und einige sind beim anschließenden Museumsbesuch über die Geschichte der hiesigen Besiedlung zu sehen. Auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt – einem Hare-Krishna-Dorf – kommt der Chef unseres Tourunternehmens mit zwei weiteren - na was wohl – deutschen Touristen hinterher, die ebenfalls 4 Tage herumreisen wollen. So wird es für uns billiger. Wer erwartet Hare Krishna hier in der Wüste bei 30°C tags und knapp über Null °C nachts??? Passt so gar nicht. Aber die Erleuchtung kann man offensichtlich überall auf der Welt suchen, erst recht wenn der Oberguru dieser Häufleins Suchender ein Berliner ist.

Ab jetzt bleibt die Tour authentisch – Riesenkakteen im Sand an den Hügeln verfrachten einen dann aber irgendwie in die Nähe von Mexiko. Es folgt ein merkwürdiges Magnetfeld, welches bewirkt, dass man den Eindruck hat auf einer ebenen Straßen zu wandeln. Verwirrend. Man geht gerade, die Optik sagt gerade, während unser Auto im Leerlauf ziemlich schnell bergab rollt. Und schließlich wandern wir nach spektakulären Ausblicken von Bergen in Schluchten und auf wüste Horizonte einen kleinen Teil des früheren Inkapfads, auf dem diese den Warenaustausch betrieben haben. Immer etwa 10 Kilometer rannte ein sportlicher Inka mit Waren und übergab diese dem nächsten wie bei einem großen Staffellauf – in die eine Richtung mit Silber, in die andere mit Fisch und anderen Lebensmitteln.

Inzwischen befinden wir uns auf fast 3500 Metern Höhe, das Atmen wird schwerer und das Denken ebenfalls. Leicht gaga wandernd bewundern wir die Landschaft, die hier wieder ganz grün ist – wie im Frühling zwitschern Vögel dazu – betrachten weitere Kakteen und erreichen schließlich, nicht ohne noch ein fast verlassenes unglaublich idyllisches Bergdorf besichtigt zu haben, unser heutiges Ziel Putre und sind überwältigt von der schnellen Abfolge von Eindrücken, zum Schluss sogar noch mit einem tollen Sonnenuntergang über dieser Hochebene Alto Plano, kurz vor den Fünf- und Sechstausendern dieser Region. Ja, wir scheinen in den Anden zu sein.

Ich bin mal wieder hoch-euphorisiert und denke manchmal, dass ich vielleicht in die Berge ziehen sollte... Alles ab 3000 Metern macht glücklich.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel