Die Schönen und die Reichen
Wettertechnisch heute besser versorgt – 28°C Sonne-Wolken-Mix – meine Chance nun den großen Park anzuschauen und ein weiteres vom Mob abgekoppeltes Stadtteil. Naja, hübsch, aber nicht wirklich spektakulär mit drei Museen im Park und allerlei hochgesicherten Kleinvillen. Hier ist man unter sich mit seinen Kameraüberwachungen und Stahlzäunen. Auf der Straße genügend Polizisten mit schusssicherer Weste, was das subjektive Sicherheitsgefühl auf Vordermann bringt. Allerdings sind selbst die Polizisten hier mit Vorsicht zu genießen, da durch und durch korrupt. Die Krönung war im letzten Jahr die Aufdeckung zweier Polizeistationen, die es offiziell gar nicht gab. Dort hat man dann einfach Polizei gespielt und fleißig Gebühren für Ordnungswidrigkeiten bzw. Schmiergelder zur Verhinderung von Strafverfolgung im Verbrechensfall kassiert. ABM auf brasilianisch.
Mein eigentliches Ziel heute: der Ort wo die Schönen und die Reichen hingehen – zumindest die einschlägigen. Also vorher im Hotel ruhen und aufhübschen so weit es geht. Dabei treffe ich auf dieses Wesen was sich Landsmännin nennt. Selten habe ich so punktgenau und auf Anhieb eine dermaßen große Abneigung einer einzelnen Person gegenüber verspürt – herrlich! Da sie am folgenden Tag nach Bolivien weiterreisen möchte, kommt das Thema Impfbuch (yellow book) auf, welches zur Einreise nach Bolivien nach Aussagen anderer Reisender benötigt wird um die Gelbfieberimpfung nachzuweisen. „My Yellow Book is from se GDR“ und in der DDR hätte man so etwas sowieso nie benötigt. Da hat aber jemand die letzten 20 Jahre verpennt und: Thema verfehlt! Kurzum: sie hat keine Impfung und morgen sicherlich viel Spaß bei der Einreise. Noch einmal: herrlich!
Höchst amüsiert mache ich mich also auf den Weg zur Disse – bequemerweise zu Fuß gut erreichbar. Hätte ich die Adresse nicht vorher notiert wäre das auch nicht tragisch gewesen, denn an der Ampel kriecht mir eine Duftwolke in die Nase, die von einem jungen Herrn stammt, der versucht das eine oder andere Manko mithilfe einer doppelten Portion Duft – Chanel Nr 5?? – zu kaschieren. Der leicht federnde Gang – weltweit identisch – sagt mir: einfach nur folgen. Und da ist er nun, der Ort, das Mekka und sieht genau so aus wie überall auf der Welt. Davor die Schönheiten der Stadt, denn was macht man, damit ein Laden hipp und trendy ist? Man lässt die Leute warten! Eine Stunde verbringt das Diskovolk also auf der Straße bevor es hineindarf und dann aber auch erst in eine Art Vor-Lounge, die so lange Zwangs-Aufenthaltsort ist bis sie zum Brechen voll ist. Auf die eigentliche Disko mit tanzen und so darf weiterhin gewartet werden und die Herren in den dunklen Anzügen von der Security achten sehr genau darauf, dass auch ja niemand die heilige Halle zu früh betritt. Die sehen aus wie die grauen Männer aus Momo. Ich fühle mich derweil wie in einem Flughafen-Duftshop (wann geht nochmal mein Flug?) Jeder, wirklich jeder, hat in Duftwässerchen gebadet. Ein Allergiker hätte echt Trauer. Und dann ist er da – der große Moment. Die Öffnung des Tempels. Sofort voll und ohne weitere Verzögerung startet die Party. Hübsche Lokation und anscheinend derzeit wirklich angesagt. Die jungen Hübschen – man startet hier anscheinend mit 16 - der Stadt bezahlen dafür einfach so 25 Euro Eintritt ohne mit der Wimper zu zucken, alle gekleidet im neuesten Fashionlook und weiter arg duftend, jetzt angereichert mit leichten Schweißessenzen. Auf der Bühne: Gogos von der Art wie man sich die Brasilianer so vorstellt, viel Rind, mager. Dekadenz pur, fast schon ekelerregend und ich bin einfach nur froh zur „richtigen“ Seite zu gehören.
Aber scheee wars doch..... :-)
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Achim
Achim