Die spinnen die Chilenen

Ist ja ganz schön hier in Santiago und überhaupt in Chile, aber ne kleine Schacke ham die hier schon. Anders als in Spanien werden hier keine Stierkämpfe mit irgendwelchen Degen, Messern oder übergroßen Käse-Happen-Spießen abgehalten, nein, man spielt hier das Spiel: Kuh-an-die-Wand. Dazu nehme man zwei Gauchos auf Pferden und eine Kuh sowie eine Arena, deren untere Begrenzung mit einer überdicken Turnmatte ausgestattet ist. Und nun müssen beide Gauchos mit ihren Gäulen die Kuh so an die Wand reiten, dass die Kuh seitlich auf diese Turnmatte fällt. Lustige Kuh-Turnübungen. Dabei gibts dann noch die Feinheit, ob die Kuh gleichzeitig mit allen vier Hufen seitlich in der Luft schwebt oder nur seitlich anditscht, so wie ein Auto, das zu schnell durch eine Kurve fährt. Vier Hufe gibt mehr Punkte. Es stellt sich die Frage wie man auf solch eine dämliche Idee kommt. Ist es die Hitze? Der Staub? Oder einfach nur diese unendliche Einsamkeit auf dem platten Land. Jedenfalls wollte ich hier keine Kuh sein und wenn würde ich nur saure Milch geben. Dann doch lieber herbmännlich durch Partyspieße in Spaniens Arenen sterben.

Ansonsten gehts bedächtig europäisch zu. Die gesamte Innenstadt ist – wieder mal – mit herrlichen Kolonialbauten ausgestattet und bietet nette Einblicke. Es muss ein hartes Leben hier in den Anfangsjahren gewesen sein – die Sonne strahlt unerbittlich vom Himmel und zu regnen scheint es hier selten bis nie. Im Hintergrund sieht man die Bergmassive der Anden, teils mit Schnee bedeckt. Besonders gut zu sehen von einem Stadtpark-Berg, der ein wenig wie eine kleine Kopie des Zuckerhuts von Rio erinnert. Der gemeine Chilene fährt dort Sonntags in aller Früh mit dem Mountainbike hinauf, schaut kurz auf die Berge, lässt eben schnell ein Gebet bei der übergroßen Mariastatue, die auf dem Gipfel steht, ab (deswegen die Parallele zu Rio), wirft noch ne volle Packung Opferkerzen hinterher und radelt dann wieder runter. Wir laufen runter und erkunden die chilenischen Cafes (mein Notebook wird vom Kellner an den Tischfuss angekettet – ich sollte also doch acht geben, er wird es nicht umsonst gemacht haben), ein Museum und die ganzen Gebäude.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel