Eitelkeiten
schendrin betrachten sie ihr Konterfei im spiegelnden Wasser. Da diese Garnelen so klein und nicht gerade effektiv sind kommen da locker 14 Stunden gründelnd in einem Salzsee zusammen. Fast die gesamte Zeit steckt da der Kopf unter Wasser. Kein Wunder, dass diese Vögel sich da ein ganzes Leben treu bleiben – es bleibt ja keine Zeit mehr für die Partnersuche (gibt es eine Analogie zu den Menschen? - ich sollte mir die Haare rosa färben!) Der gemeine Reisende befriedigt seine Eitelkeit da eher mit einer überdimensionierten Kamera, für den BMW mit einem 5-Meter-Auspuff und das Avon-Köfferchen ist ja kein Platz im Rucksack. Und, siehe da, heute bin ich auf der Tour (50% Landsleute) Gruppensieger geworden. Alle bewundern diese tolle Kamera mit diesem mächtigen Objektiv und meine Brust schwillt ebenso mächtig an. Jeder weint sich bei mir aus, dass die eigene Kamera doch ach so schlechte Bilder lieferte und alle Tiere nur als Punkte erscheinen. Schon interessant – man braucht nur eine auffällige Kamera und schon wird man für den Megaprofifotografen gehalten (der Hauptmann von Köpenick ist weltweit anzutreffen). Muss aufpassen, dass das Fotografieren mit Automatik nicht auffällt. Immer dann wenn der blöde Blitz sich automatisch einschaltet, teils in greller Sonne, ist man entlarvt. Dann hilft nur möglichst professionell dreinzuschauen und so zu tun, als wäre eben genau dieser Kniff derjenige, der das geschossene Bild direkt auf die Titelseite der nächsten Ausgabe von National Geografic bringt.
Eine weitere Möglichkeit sich in Punkto Eitelkeit zu messen ist das quartettartige „Mein Rucksack, meine Passstempel, meine Schuhprofiltiefe, meine Flohstiche, meine Ranzklamotten – Spiel“. Gewinner ist derjenige, der in allen Kategorien die meisten Treffer erzielt. Mal mehr, mal weniger findet immer auch ein kleiner Wettbewerb darin statt wer schon wann, wie oft und wie lange in welchen Ländern gewesen ist. Ach, die Menschheit ist ueberall dieselbe.
Ich weiß auch nicht so genau warum alle diese Gedanken mir heute auf dem Ausflug durch den Kopf schwirren, denn die Landschaft ist mal wieder in jeglicher Hinsicht dazu geeignet
abgelenkt zu sein. Wahrscheinlich verdrehen mir die erneute Höhe und die zum zigsten Mal besuchten Flamingos den Kopf. Flamingoschwärme, gründelnd im drittgrößten Salzsee der Welt mitten in der Wüste (Das ist jetzt die zweite Tierart nach den Pinguinen, die ich aus meiner „To-Do-Liste“ streichen werde), erloschene Vulkane mit und ohne Schneespitze im Hintergrund, ein weiterer Salzsee, der tiefstblau vor den Anden schimmert, unendlich erscheinende Wüste und hin und wieder eine Oase zwischendrin. ICH WILL KÜHE!
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lg Christian