Futbol, son locos los Argentinos

Zum Abschluss meiner Reise darf ich noch einmal ueber ein Thema schreiben, bei dem Juergen wahrscheinlich sowieso nicht auf die Idee kommen wuerde, sich gross drueber auszulassen, wo eine ganze Nation zur Hysterie neigt. Ueber nichts kann man einfacher ins Gespraech kommen in Suedamerika als ueber Fussball. Waehrend wir in Chile auf dem zentralen Fischmarkt noch mit ollen Kamellen wie Beckenbauer und Rummenigge angequatscht wurden, liegt den Argentiniern dann doch noch der eher die naehere Vergangenheit im Magen, naemlich der 30.6.2006, Berliner Olympiastadion Elfmeterschiessen und der ominoese Zettel von Lehmann.

Gestern musste Juergen das Fussballspiel der suedamerikanischen Championsleague (Copa de las Libertadores) zwischen Colo Colo (Santiago de Chile, Platz 13 der Clubweltrangliste) und Boca Juniors (Buenos Aires, Platz 5 der Weltclubrangliste) ertragen, zum Glueck nur im Fernsehen. Welch ein Drama, Boca hat 0:2 verloren, der Starspieler Riquelme musste verletzt ausgewechselt werden und es gab auch 2 rote Karten. Riquelme ist sowieso einger der wenigen Nationalspieler, die noch in Argentinien spielen, der Rest ist fast vollstaendig in Europa engagiert.

Eine verrueckte Legende ist natuerlich auch Diego Maradona. Bei einem Gespraech mit Einheimischen habe ich mal was von dem Brasilianer Diego von Werder Bremen erzaehlt, der Clubname war zwar noch ein Begriff, aber es gibt nur einen Diego, so wie wir in Deutschland nur einen Rudi Voeller kennen. Also Diego spielt immer noch und bewegt seine vielen Kilos ueber den Rasen. So auch neulich in Bolivien, als er die bolivianische Fussballvereinigung unterstuetzt hat, die im Clinch mit der FIFA liegt, weil sie ihre Heimspiele auf 3600 Meter ueber dem Meer austragen und den Gegnern regelmaessig die Puste ausgeht. Auch hat er sich neulich ueber den iranischen Praesidenten Mahmud Ahmadinedschad ausgelassen nach dem Motto „Die Feinde meiner Feinde muessen meine Freunde sein“ und nach dem Umweg ueber George Bush kann er das Oberhaupt der Iraner also nur lieben. Hat wohl doch etwas zuviel Kokain geschnupft.

Zurueck zum Club Atlético Boca Juniors, sie haben ihr Stadium liebevoll Bonbonera getauft und so sieht es auch aus mit steilaufsteigenden Raengen wie die Lagen einer Bonbonschachtel. Die Vereinsfarben wurden uebrigens zufaellig gefunden, die Gruendungsmitglieder konnten sich nicht einigen und so verabredete man, dass es die Farben der Fahne des ersten vorbeifahrenden Schiffs sein sollten und das besagte Schiff kam aus Schweden, also blau-gelb.

Das Viertel ist ansonsten ziemlich runtergekommen. Die Touristenmeile mit den bunten Häusern, Andenkenverkäufern und Tangotänzern ist schon arg ueberlaufen und quietschebunt. 50 Meter weiter duempeln im alten Hafenbecken alte Kähne und dieses „Maul“ (spanisch fuer boca) hat erheblichen Mundgeruch.

Drei Wochen volles Programm durch Chile und Buenos Aires gehen langsam dem Ende zu, jetzt kann Juergen erstmal wieder relaxen, hoffentlich kommt dann der literarische Esprit fuer den Blog auch wieder und ich darf nach 3 Wochen Hochsommer (von einigen kalten Naechten und Morgen in den Anden abgesehen) in den deutschen Winter zurueck, der dem Fruehling zur Zeit noch nicht richtig weichen will. Gracias para este tiempo en común! Fue una experiencia fantastica in América del Sur, quiero mas!

Kommentare

Anonym hat gesagt…
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