Mit Orientierung...
...geht es alles gleich viel besser. Inzwischen habe ich von einem größeren Hotel einen wunderbaren Stadtplan ergattert und komme in dieser Riesenmetropole ganz gut zurecht. Neue Städte zu erkunden macht Spaß, wenn es auch zu Beginn erst einmal etwas frustrierend ist, wenn man so überhaupt nicht weiß wo man sich befindet. Dabei klingelt jedoch beständig die Warnung im Kopf, dass man möglichst nicht offen im Stadtplan blättern soll, damit man nicht als ortsfremd geortet wird. Gar nicht so einfach. In meinem Rucksack – nestel ich also herum und lerne immer wieder die nächste Teilstrecke auswendig. Im Grunde ist das immer wie ein Puzzlespiel. Was soll man zu Sao Paulo so sagen? Ich kann mich nur wiederholen: eine riesige Betonwüste, etwa 40 x 80 Kilometer in den Ausmaßen und entsprechend verpestet. Direkt über einem sieht man noch blauen Himmel, der am Horizont in ein Gelb-Oker übergeht. Staus sind normal, der öffentliche Nahverkehr brummt und schafft es dennoch kaum die Massen von A nach B zu bewegen. In den Stoßzeiten schaut man in den vollgestopften Bussen in lauter gequälte Gesichter. Der „Paulista“, wie sich die Einheimischen hier nennen, nimmt es aber gelassen und erträgt die Qualen mit großer Gelassenheit. Gottseidank verlasse ich mich lediglich auf mein Schuhwerk und erkunde so die Gegend um Consolacao, meinem Stadtteil und gleichzeitig Bankerviertel. Relativ idyllisch und gefühlt sicher läuft man durch Magistralen und kleinere Straßen. Überall Polizei, über die man sich echt freuen kann. Und die sehen so aus als würden sie im Notfall auch etwas unternehmen. (Muss man, um hier Polizist zu werden, eigentlich einen Schönheitswettbewerb gewinnen?) Keine billig bezahlten Parkwächter in Sicherheitsuniformen. Krass sind die Gegensätze, wenn man auch nur etwas weiterläuft. Das Straßenbild ändert sich komplett. Die Häuser nicht mehr in Hübschbeton wie man es in allen Ländern der Welt vorfindet, sondern etwas älteren Datums im Kolonialstil. Keine Polizei mehr und auch keine Menschen mehr in Anzügen mit Laptoptasche umgeschwungen. Wirkt etwas beunruhigender hier, da wesentlich mehr heruntergekommene Menschen die Straße bevölkern, gleichzeitig aber endlich so etwas wie Exotik. Eine Hühnerschlachterei, Wäschereien, Läden, bunt! Die Menschen: eher weiß bis gemischt, hin und wieder ein Schwarzer darunter. Bin halt noch im Süden des Landes. Im Norden, so lese ich, kehrt sich dieses Verhältnis um. So taste ich mich nach und nach durch die Stadt und habe weiterhin nicht den Eindruck, dass es hier so viel anders ist als in anderen Städten. Man kann sich fast wohl hier fühlen.
Kommentare
was Du so schilderst, klingt ja nicht gerade wie die Werbebroschüre des Tourismusbüros. Was macht eigentlich den Reiz der Stadt aus? Schöne Menschen wird es doch sicher auch im Rest von Brasilien geben. Oder wartest Du bei McDonalds, als Fotomodel entdeckt zu werden, wie es angeblich Gisele Bündchen in Sao Paulo passiert sein soll? Na immerhin gehört sie inzwischen zu den bestbezahlten Models der Welt, vielleicht kannst Du ja Dein 75%-Gehalt etwas aufbessern!
Zum Glück steigen jetzt auch in Berlin etwas die Temperaturen.
Achim