Wüste

Man hätte ja meinen können diese Überschrift wäre für die vorherigen Einträge schon angemessen gewesen, aber nein, es geht noch wüstiger. Auf dem Weg von Iquique gehts komplett durch verdörrtes Gebiet zunächst nach Calama, die den Titel „trockenste Stadt der Welt“ trägt. Ein Superlativ, den die Chinesen sicher gerne auch hätten, wo die doch immer alle Superlative für sich beanspruchen. Entsprechend ist nichts als hässliche platte verbrannte Erde zu sehen, denn die Niederschlagsmenge beträgt hier im Jahr: NULL. Das macht die Wettervorhersage hier so praktisch und gleichzeitig überflüssig. Man sendet einen Beitrag in Dauerschleife.

Faszinierend wirds erst wieder als wir von dort – leider mit 2 Stunden Verspätung (siehe Bild) - weiter nach San Pedro de Atacama fahren. Und so eine Verzögerung hat seine Vorteile. Wir fahren mitten im Sonnenuntergang in einem Doppeldeckerbus ganz vorne oben in das Mondtal ds Todes. Im Hintergrund andine Gipfel, schneebedeckt leicht vom Staub der Wüste verhüllt, im Vordergrund haarsträubende Kurven durch Canyons, dazwischen Felsformationen in allen Farben, was die Farbpalette im Bereich Oker-Gelb-Orange-Rot so hergibt. Wie oft kann man eigentlich von Ansichten überrascht und verzaubert werden? So unwirtlich eine solche Landschaft zum Überleben ist, so beeindruckend ist es darin herumzufahren selbst mit ohne Kakteen, selbst die können hier nicht überleben. Beschreiben kann man das eigentlich nicht – siehe Bild. Dieser Planet ist eigentlich kein Planet, sondern ein ganzes Universum. Ich mache keine Weltreise mehr, sondern bin inzwischen abgehoben ins All und springe von Planet zu Planet. Mars und Venus liegen hinter mir, Saturn und alle anderen folgen...

San Pedro de Atacama grüßt mit einem Ortsschild, auf dem die aktuelle Einwohnerzahl notiert ist – a la Lucky Luke müsste man jetzt nur noch jeden Abgang neu notieren indem man die Vorgängerzahl durchstreicht. Das jedenfalls ist so meine Assoziation. Fehlen nur noch der Bestatter und der Geier sowie die Daltons und das Bild wäre perfekt. Naja, die Geier gibts in anderer Form – Anwerber für die unzähligen touristisch zurechtgemachten Restaurants. Und die hängengebliebenen, kiffenden Rasterlocken-Schmuddellangzeitreisenden eignen sich durchaus für die Bestatterrolle, die Daltons müssen dann die Einheimischen spielen. Den kleinen Chefdalton finden wir in Form einer zur Arbeit geprügelten Kellnerin, die anderen suchen wir noch. Und doch ist es wieder ganz anders als der amerikanische Westen, eine weitere Assoziation ist die nordafrikanische Variante einer Oase. Ein ohne Frage idyllischer Ort mit ganz eigenem Charme. Man sitzt abends in einem Restaurant am Lagerfeuer und betrachtet die Sterne am Himmel. Als Städter weiß man ja gar nicht, dass es so viele gibt. Zudem gilt das Motto: „Wir sind überall“, denn erstaunlicherweise gibt es viele Schwimmer, die sich auf unserer Flussseite tummeln – im Bus, im Restaurant, auf der Straße. Dem Wohlfühlfaktor sehr zuträglich.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hi, Bild Nr.2 ist zur Zeit an jeder Straßenecke in Berlin zu sehen. Die BVG streikt und überall verzweifelt und genervt wartende Menschen. Selbst der Gesichtsausdruck ist authentisch......

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