Atemberaubendes

Lang ist die Nacht nicht, denn nach dem gestrigen Sonnenuntergang sind natürlich alle ganz ‚heiß‘ auf einen Sonnenaufgang, den wir vom Vulkan aus anschauen wollen. Die Entscheidung in der Gruppe ist relativ langwierig, denn das Jungvolk will natürlich ganz hinauf auf den Vulkan auf 5600 Meter Höhe. Und das ganze natürlich in maximal 2 Stunden von 5 Uhr morgens an (für fast 2000 Höhenmeter!). So richtig durchsetzen kann ich mich nicht und beuge mich dem Votum der Mehrheit. Wie arme Irre rennt der Trupp der ewigen Jugend, kaum ist die Autotür geöffnet, denn auch los, während ich mich gemächlich keuchend den Hang hinauf schleppe. 300 Meter weiter treffe ich auf ein fürchterlich erschöpftes, nach Atem ringendes Mädel, das mir unter Tränen versichert jetzt sofort zu sterben. Mein kleines Asthma-Wundermittel überzeugt sie jedoch schnell vom Gegenteil, zum Weiterwandern allerdings können weder mein Mittelchen noch ich sie überzeugen. So ziehe ich weiter auf der Suche nach dem nächsten Opfer. Und ich werde alsbald fündig. Mädel Nummer zwei hat ihre Meinung geändert und findet es eigentlich am derzeitigen Standort auch ganz hübsch den Sonnenaufgang zu betrachten. Die beiden Herren der britischen Oberschicht – was sie jederzeit heraushängen lassen (lassen müssen?) - ficht das alles nicht an – sie rennen weiter. Nun, die Energien, die sie zur Eroberung der weiblichen Mitglieder unserer Gruppe benötigen würden, können sie – bei dem Verhalten - jetzt auch getrost anderweitig investieren. Und dennoch treffe ich sie schließlich etwas weiter oben, ebenfalls mit geänderter Meinung. Meine Frage ob wir denn nicht noch weiter wollen führt zu einer leichten Unterkühlung, denn ich kann mir ein Grinsen beim besten Willen nicht verkneifen. So betrachten 5 Personen den Sonnenaufgang von unterschiedlichen Standorten – auch ganz hübsch das später dann bildertechnisch zu vergleichen. Nach Rückkehr gibts das wohlverdiente Frühstück und eine Ruhezeit von zwei Stunden bevor es wieder quer über den Salzsee zum nächsten Ziel geht: der Isla de la Pescada. Über und über mit Riesenkakteen bewachsen liegt sie mitten im Salar de Uyuni. Wir wir so darauf zufahren meine ich eigentlich in einem Boot zu sitzen, es erscheint wirklich so als befände man sich auf einem zugefrorenen See. Die Insel ist – was sonst – großartig. Kaktus-vor-Salzsee-und-Berg-an-himmelblau und diverse andere Fotos gehören nun zu meiner Sammlung. Ich kann mich kaum sattsehen, aber die Karawane will weiter, ohne auch nur einen Fuß auf die Insel gesetzt zu haben, denn die Ereignisse am frühen Morgen wollen ja aufgearbeitet werden! Man muß halt Prioritäten setzen. Unser Hotel heute: ein Salzhotel. Alles, von den Mauern bis zu Tischen und Stühlen ist aus Salz gehauen. Wie praktisch fürs Frühstück: man benötigt keinen Salzstreuer, sondern kratzt bei Bedarf einfach etwas Salz vom Stuhl ab. Sorge bereitet mir das Duschen. Ist die Wand nach dem Duschen noch da? Und was wenn zu viel Salz beim Schlafen von der Decke bröselt? Werde ich dann gepökelt und ende als Pique Macho auf einem bolivianischen Teller? Ausgedörrt fühle ich mich ja so schon – die Lippen sind aufgeplatzt, dass sie schon bluten. In dergleichen Gedanken versinke ich in einen erholsamen Schlaf.

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