Festgefahren
Ich wage mich mal an die bolivianischen Busse. Davon gibt es Unmengen, ein Schritt in den Busbahnhof und schon geht es zu wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Jede Firma hat zufällig gerade in diesem Moment einen Bus, der ans gewünschte Ziel fährt. Nun, kümmert mich wenig, da ich bereits ein Ticket im Reisebüro gebucht habe – gegen Aufpreis versteht sich, gegen massiven Aufpreis! Bleibt trotzdem erschwinglich mit 9,50 € für 800 Kilometer. Sehr vertrauenserweckend sieht der Bus nicht aus, aber auch nicht so schlimm wie man sich das manchmal vorstellt. Relativ pünktlich gehts abends los und zunächst gilt es die Stadt vom El Alto aus im Vollmond zu bewundern. Nicht, dass das ohne Vollmond langweilig wäre. Im Bus ist es unglaublich kalt – eine Heizung scheints nicht zu geben oder es stört niemanden großartig. Die Niederländer mit ihren kurzen Hosen jedoch wird es irgendwann stören – da bin ich mir sicher. Langsam lasse ich mich von dem Geruckel auf den weniger gut ausgebauten Straßen in den Schlaf wiegen, um gegen Mitternacht schließlich im 45° Winkel fast auf meinem Nachbarn liegend wieder aufzuwachen. Alles befindet sich im 45° Winkel, denn der Bus hat sich an einer Baustelle festgefahren. Die Indianerdamen, die im Bus noch den Bowlerhut gegen eine warme Strickmütze ausgetauscht hatten (er wäre bei diesem Winkel eh heruntergefallen), tauschen zurück und tippeln aus dem Bus geradewegs auf ein paar Felsen zu um dort sofort wieder ihre Markt-Hock-Haltung einzunehmen. Sie können wohl schon nicht mehr anders. Die Herren und Touristen schauen sich das Spektakel an während der Busfahrer losbuddelt mit Schaufel und Spitzhacke. Erst finde ich das ganz amüsant, denn irgendwie gehört das doch hier zum Busfahren, nachdem meine 4 Pullover und die Lederjacke dann so langsam durchgekühlt sind, hält sich das Vergnügen dann aber doch in Grenzen. Die Niederländer schimmern inzwischen leicht bläulich. Aus lauter Langeweile, und um sich warmzuhalten, verbringen die männlichen Bolivianer die Zeit damit die unglaublichen Schlaglöcher in der Straße mit Felsen aufzufüllen, etwas was die Straßenbaubehörden nicht zustande bringen. Zwei Stunden dauert das Spektakel und alles ist hocherfreut in den Kühlschrank zurückzukehren, um dem Eisfach draußen zu entkommen. Schließlich kommen wir mit nur leichter Verspätung und gefrorenen Fensterscheiben unversehrt an. Freude darüber und Panik ob der fiesen Kälte!
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