Qualen


Genervt von Sao Paulo und von mir ob meiner Pennerei setze ich mich schließlich in Bewegung Richtung Norden nach Ubatuba – einem Tipp von einem Brasilianer. Dumm nur, dass der Reiseführer dazu so gar nichts sagt. Naja, wer wagt gewinnt. Mit Gesamtgepäck gehts durch die Stadt zur U-Bahn, was mal wieder aufregend ist. Hinter jeder Ecke vermute ich einen Schwerverbrecher, doch bis auf diverse merkwürdige Blicke ganz normaler Passanten geschieht gar nichts. Im Bus nach Ubatuba, ein ausgesprochen komfortabler sogar, bin ich der einzige Tourist. Los gehts durch die Vororte von Sao Paulo, relativ schlecht instandgehaltene Hütten, sieht sehr ärmlich aus. So nach und nach hügelt es. Leider ist es regnerisch und man sieht nicht so viel, aber das was zu sehen ist sieht schon einigermaßen idyllisch aus. Im Grunde die gesamten ca. 200 Km ist alles grün und hügelig. Allmählich verlässt mich auch diese in Sao Paulo vorhandene Daueranspannung. Nachdem wir mehrere Hügel hoch und wieder heruntergefahren sind eröffnet sich ein erster Blick auf den Atlantik und von nun an gehts bergauf, bergab am Meer entlang. In Ubatuba angekommen ist das erste, was ich mitbekomme, dass sich der Ort über mindestens 20 Strände in mehreren Buchten hinzieht. Der von mir im Internet erwählte liegt praktischerweise 25 Kilometer zurück in Richtung Sao Paulo. Und Taxen sind hier nicht wirklich billig. Aber irgendwie will das Geld ja ausgegeben sein. Und was ich dann in Lazeira Beach vorfinde ist das absolute Grauen! Nicht nur einen Strand, nein, sogar zwei. Der eine ist voller widerlicher Wellen, die einen unglaublichen Lärm machen. Direkt davor diese hässlichen grünlichen Pflanzen, die man leider so oft in den Tropen vorfindet und von denen immer diese Riesenfrüchte herunterfallen. Der Strand bevölkert von diesen komischen Menschen, die Bretter ins Wasser schmeissen und dann selbst hinterherrennen um darauf zu liegen. Schön blöd bei dem Seegang! Anstatt an den anderen Strand zu gehen, wo die Wellen nicht so hoch sind und man doch viel leichter auf einem Brett im Wasser liegen könnte. Naja, dort belästigt einen dieser fiese feine weiße Sand, der sich in sämtlichen Klamotten festsetzt und dazu diese grauenhaft grünbewachsenen Berge hinter der Bucht – ich glaube man nennt das Dschungel. Und zu allem Überfluss noch die Sonne, die die wenigen Wolken anstrahlt und dabei das schöne Grau in fürchterliche Gelb- bis Rottöne einfärbt. Ach, welch Tantalusqualen muss ich ausstehen...

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Du armes, armes Huschelchen!!! Wie gern würde ich diese Qualen mit Dir teilen. Dein Lörchen leidet mit Dir.
Anonym hat gesagt…
Böse alte Tante,jetze wirste aber richtich, richtich jemein. Jruß Jabi.
Anonym hat gesagt…
Lieber Jürgen,
welche klassische Belesenheit! Ich höre doch gerade per Hörbuch die Sagen des Altertums. Das mit den Tantalusqualen würde ich mir noch einmal überlegen:
Wikipedia zu Tantalus: Zuletzt verfluchten die Götter noch Tantalos und seine Sippe. Solange es Nachfahren gab, sollte dieser Fluch Gültigkeit haben. Der Fluch bestand darin, dass jeder seiner Nachfahren ein Familienmitglied töten sollte und weitere Schuld auf sich laden würde. Eine lange Kette von Gewalt und Verbrechen wurde somit ausgelöst, die erst mit Orest, der seine Mutter Klytaimnestra ermordete und so ihren Mord an seinem Vater und ihrem Gatten Agamemnon rächte, Orest selbst ereilte sein Schicksal durch einen Schlangenbiss.
Das ist doch nun wirklich nicht nötig!
Achim

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