Rundgang
So treibts mich trotz Müdigkeit und Dauerregen hinaus in die Stadt – egal, bloß raus aus diesem Irrenhaus. Vermuteter Vorteil bei Regen: die Verbrecher sind alle zuhause geblieben und ich kann mich mal in abgeschiedenere Gegenden herumtreiben. So stiefel ich los und erkunde heute das Rio, welches ganz am Anfang da war. Sehr schöne Straßenzüge mit historischen Bauten, die allerdings ziemlich heruntergekommen sind, aber wie schon in Sao Paulo angemerkt, erst in diesen Vierteln wird es bunt, erst hier macht die Stadt den Eindruck, dass sie exotisch ist. Ganz so menschenleer wie vermutet ist es allerdings nicht. Die Gestalten auf der Straße machen tatsächlich wenig Mut auf meinem Spaziergang und einige Male, bin ich hysterisch?, lege ich einen Gang zu. Nach einigen Kilometern schließlich im Zentrum angelangt säumen so halbe Hochhäuser die Straße, das Bankenviertel. In den Eingängen reihen sich die Obdachlosen, die Vergessenen dieser Gesellschaft, wesentlich mehr als schon in Copacabana gesehen. Das trübt das Bild von dieser Stadt schon sehr. Mir fallen wieder diese extremen Gegensätze auf und ich bin unschlüssig welches Bild bei mir überwiegt – die Schönheit oder die Hässlichkeit der Armut allerorten.....
Kommentare