Santa Cruz

Die Wahl des Hotels ist gelungen. Von einem kolonialen Innenhof, der wild begrünt ist gehen alle Zimmer ab. Preis für ein Zimmer: 6 Euro. Alles hier ist unglaublich billig – erst recht wenn man gerade aus Brasilien kommt. Ein komplettes Mittagessen gibts für 2 Euro, manch Snack für 10 cent. Der Hit sind die beiden Tukane, die hier als Haustiere leben, ab und an mit unter die Dusche kommen oder neben einem beim Frühstück sitzen und mit ihren Riesenschnäbeln von den Tellern klauen. Wozu habe ich eigentlich diese Tortur im Pantanal auf mich genommen? Wo ich hier doch entspannt eine Speicherkarte nach der anderen füllen kann? Bei Rückkehr gibts Tukanbilder satt – in allen Lebenslagen. Nach einem Erholungsschlaf und ausführlichen Instruktionen wie man verhindert ausgeraubt zu werden gehts auf Erkundung. Santa Cruz ist eine hübsche alte Kolonialstadt, die überhaupt nicht wie die größte Stadt (1.3 mio) des Landes wirkt – man streitet sich hier darum wer denn nun die meisten Einwohner hat: La Paz oder Santa Cruz. Die Innenstadt besteht überwiegend aus eingeschossigen Kolonialbauten, deren Dächer auf Säulen gestützt häufig den Bürgersteig überdecken. In den so entstandenen Säulengängen sitzt alle paar Meter eine hübsch traditionell gekleidete ältere Dame mit ihrem mobilen Kiosk und bietet alles mögliche feil. Viele Schuhputzer offerieren ihre Dienste. Rund um den Hauptplatz gibts die üblichen Modegeschäfte, wie man sie auch in anderen Teilen der Welt findet. Eine charmante Stadt mit charmanten Menschen, sieht man mal von dem Herrn ab, der sich mir eher unkonventionell nähert. Aus heiterem Himmel stürmt ein offensichtlich verwirrter Mann auf mich zu und rammt seinen Kopf in mein Gesicht. Meine Brille ist vollständig verbogen und mein Adrenalinspiegel weit über normal. Die Nase ist aber noch heil – geniale Knautschzone, die ich da besitze. Einigermaßen schockiert verziehe ich mich in mein Hotel zu meinen Tukanen und versuche den Brillenklumpen wieder in eine nutzbare Form zu bringen – Brillenorigamie.
Kommentare
Achim
Pass blos auf, vielleicht kommen noch mehr Verrückte auf dich zu, die dich zum Creieren von Spielen anregen.
Grüße & mail
Rosanna