
Rurrenabaque ist der Ausgangspunkt für allerlei Touren in die Wildniss von Nordbolivien. In dieser Gegend wechseln sich Dschungel und Sumpflandschaften ab, in denen sich jede Menge Flüsse winden bis sie sich zum Amazonas vereinigen. Ich entscheide mich für eine „Pampatour“, also Sumpf, auf dem Yacuma-Fluss. Einer der schönsten Ausflüge bisher, leider aber auch der heftigste, was die Anstrengungen betrifft. Im Jeep werden 6 Personen über drei Stunden aufs Übelste durchgeschüttelt. Gespräche sind nicht/kaum möglich, weil jeder hochkonzentriert damit beschäftigt ist seinen Allerwertesten irgendwie auf dem dafür vorgesehenen Sitz zu halten. Danach geht es etwa 2 Stunden auf einem Boot den Fluss entlang bis wir – endlich – unser Lager erreichen. Schöne Fahrt, sieht man mal von der unangenehmen Sitz-Hockhaltung ab. Inmitten von Aligatoren, Kaimanen, Anacondas, Affen, Vögeln usw. usf. teilen sich jeweils 2 Personen eine Holzhütte, in der so etwas ähnliches wie ein Bett steht. Als Mückenschutz dient ein Überwurf aus Boss-Innenfutterstoff. Da fühlt man sich gleich ganz luxuriös und in Baden-Württemberg „beim Boss“. Das ist aber auch das einzige wirklich luxuriöse. Gewaschen wird sich mit dem Wasser aus dem Fluss – eine recht braune Angelegenheit. Sprich gewaschen

wird sich eigentlich gar nicht. Das Programm besteht aus vielerlei Bootstouren, einschließlich schwimmen im Fluss bei den Aligatoren und den Piranhas, was ich nicht gerne mache, aber es erfrischt so nett und macht sauber. Ein leichtes Knabbergefühl am Bein beendet meinen Schwimmausflug dann aber sehr abrupt. Die Tierwelt ist, wie schon im Pantanal in Brasilien enorm: Die Vogelwelt reicht auch hier von Tucanen über Störchen bis zu allen erdenklichen Kleinvögeln in allen Farben des Regenbogens, unter Wasser 5 Arten von Piranhas, die, schmeißt man ein Stück Fleisch ins Wasser, die Oberfläche arg ins Kräuseln bringen. Was die Aligatoren und Kaimane am Ufer in freudige, Familie Schildkröte, die auf ihrem Ast in der Sonne hockt in der Folge je

doch in panische Stimmung versetzt. Das verrückte hier ist aber, dass im Fluss Delphine leben, rosafarbene. Eine in der Welt einzigartige Spezies, die nur hier heimisch ist. Irgendwie passt das so gar nicht, denn Delphine verortet man sicher nicht in einem Binnenstaat, wie Bolivien durch allerlei Landverluste einer ist. Die armen Bolivianer verlieren eigentlich immer wenn es Krieg gibt. Große Teile des Landes sind so über die Jahrhund
erte an Brasilien, Paraguay und Chile gegangen. Aufregend ist die Jagd nach den Anacondas – bis zu 8 Meter langen Würgeschlangen. Dazu müssen wir die nächste Anstrengung auf uns nehmen und bei 30 Grad in Gummistiefeln durch Sumpf stapfen, an Komik nicht zu übertreffen ist dabei eine etwa 1.50 m große Engländerin, die in Gummistiefeln mit der geschätzten Größe 48 steckt und eigentlich mehr auf der Nase im Modder liegt, als dass sie läuft. Man lacht ja nicht über das Unheil anderer Menschen, aber wenn jemand vor einem dahinstapft und etwa alle 2 Meter unter wildem Gefluche auf die Nase fliegt, wobei das Gefluche bei Eintritt in den Modder immer in so ein dezentes Blubbern übergeht – wer kann sich da beherrschen?? Drei Anacondas finden wir. Sie sind nur relativ gefährlich – nämlich dann, wenn sie

hungrig sind und das kommt nur drei bis vier Mal im Jahr vor. Unsere drei scheinen alle satt zu sein. Gefährlicher wirds für Teile unserer Gruppe, die – ungewollt – mitten in Wespennester hineinrennen. Mein Glück: ich bin zurückgefallen und darf das Spektakel aus der Entfernung betrachten: Wild um sich schlagende Touristen, umgeben von einer Wespenwolke. Auch das nicht wirklich unkomisch. Zumal dieselben Leute das Spiel noch ein zweites und ein drittes Mal exerzieren. Sehr verbeult kehren einige von uns ins Lager zurück. Aber die Führer kennen sich aus und nutzen die Natur zur Heilung. Die gesamte Pampa und der Dschungel stecken voller Heilpflanzen, die die indigenen Völker hier auch fleißig nutzen. Unser Führer, nachdem er die ersten 1,5 Tage recht schweigsam war kommt am Abend so richtig ins Erzählen und berichtet von Pflanzen, die gut gegen Gicht und Malaria sind sowie von Pflanzen, die schwangerschaftsverhütende Wirkung haben ebenso wie vom bolivianischen „Viagra“-Baum, der die aus Funk und Fernsehen bekannte Wirkung haben soll. Allerdings gibt es da wohl noch eine kleine Besonderheit zu beachten: Nach Einnahme dieses Wirkstoffs sollte man unbedingt kalt duschen, da man sonst im Ganzen anschwillt. Ich hätte ja gerne jemanden ohne kalte Dusche gesehen.....Drei tolle Tage enden mit bereits beschriebenen Strapazen auf dem Boot und im Jeep, so dass ich das Gefühl habe, dass mein gesamter Körper zur Generalüberholung muss. Und im Unterschied zur Uyunitour waren dieses Mal wirklich ausgesprochen tolle Menschen mit an Bord, unter anderem ein Madagasse. Hatte ich auch noch nie als Mitreisenden.
Kommentare