Am Limit...

...ist zunächst einmal mein Gepäck! Bolivien, das Einkaufsparadies. Und ich mag ja nichts lieber als in den Märkten herumzustöbern und die tollsten Sachen anzuprobieren und natürlich zu kaufen. Was zum Limit Nummer 2 führt. Das Konto! Viel billig macht dann letztlich auch einmal teuer. Schade eigentlich, dass das wohl so eine Art Naturgesetz ist. Gut, dass mein Rucksack da sowieso gewisse Grenzen vorschreibt. Und eben auch der liebe geplagte Rücken, dem es sowieso eher schlecht als recht geht, so dass ich hier ein regelrechtes Kurprogramm absolviere. Jeden Tag eine medizinische Massage, damit die vielen Rückenknoten, die mich schon eine ganze Weile plagen, sich mal so langsam lösen.

Aber der eigentliche Grund für die heutige Betreffzeile ist die Mountainbiketour, die ich am 1. Mai gemacht habe. Nicht weit entfernt von La Paz, noch ein wenig höher – ca. 5000 Meter – beginnt eine Straße, die als die gefährlichste der Welt gilt. Der Name hatte mich bereits mehrfach abgeschreckt, aber die meisten Traveller meinten zu mir, dass es ein absolutes Muss sei dort runterzukacheln. So hatte ich bereits vor 2 Wochen eine Tour gebucht, die jedoch abgesagt wurde. Warum erfuhr ich erst aus der Zeitung. Ein Radfahrer war abgestürzt als er den Schmetterlingen hinterherschaute und schließlich mit seinem Fahrrad den Versuch unternahm es ihnen gleichzutun. In seiner Technik weniger gut ausgereift, ging es für ihn jedoch nur hinunter. Was dann nach 600 Metern freiem Flug passierte muss ich wohl nicht weiter beschreiben. Ende der Reise! Mit dieser Information war mir so gar nicht mehr nach radfahren, aber der Sohn von Barbara und eine Freundin von ihr haben mich überredet dann doch dort mitzufahren. So haben wir zu dritt gestern diese Tour unternommen. Und ich habe es nicht bereut. Viel zu früh am morgen fuhren wir von La Paz los in die Höhe. Auf dem Weg zur berüchtigten Straße kann man auf Schildern lesen wie viele Menschen in diesem Jahr schon den Schmetterlingsflug vollzogen haben. In diesem Jahr sinds 43 (der Durchschnitt liegt bei 100). Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werden wir gerüstet und instruiert und dann gehts auf die Piste, die auf den ersten 20 Kilometern hübsch geteert ist. Anfangs noch zurückhaltend presche ich hinunter, so dass mir vor Kälte fast die Ohren abfallen. Pünktlich zum Ende der Asphaltierung tauchen wir in eine Wolkendecke und es geht auf einspuriger Schotterpiste weiter bergab – weitere 45 Kilometer. Hier wirds dann wirklich haarig. Dort wo die Wolkendecke ist gehts steil herunter, kein Baum, kein Strauch, der einen aufhalten könnte. Schade, dass man nichts sehen kann – oder aber zum Glück? Streckenweise ist wirklich nur eine Spur in den Felsen gehauen. Man fährt durch kleinere Wasserfälle und durch Bäche. Immer wilder wird die Fahrt bergab und eigentlich ist es wirklich wahnsinnig dort entlangzufahren, aber es ist tatsächlich eines der schönsten Erlebnisse, das ich in den letzten Monaten hatte. Adrenalin pur. Nach und nach verändert sich die Vegetation von hochgebirgig Richtung tropisch. Ein merkwürdiger Geruch liegt in der Luft. Sauerstoff! Nach drei Wochen Hochland ein Genuss. Das Atmen – locker und leicht. Die Tour endet auf ca. 1000 Metern ü NN und alle haben einen leicht beseelten Gesichtsausdruck. Tja, manchmal ists ganz nett am Limit....

Kommentare

Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…
Wer hätte gedacht, dass du auf deine alten Tage noch so risikofreudig wirst;-)
Nein im Ernst, 43 Tote bis ende April ist schon viel, also lass dich nicht zu oft von jugendlichen Heisspornen anstiften. Rotzende Dieb, dass ist ja sehr sehr sehr unnett, nächstes Mal zurück rotzen.
Lg aus dem schönen Neubrandenburg
Der Christian

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