Evo und das Referendum
Es zieht mich mal wieder in ländliche Gebiete nach Rurrenabaque ins Amazonasdelta. Zwar bin ich ein Stadtmensch, aber nach so langer Zeit La Paz kanns auch mal wieder gemütlicher zugehen. Mein Misstrauen gegenüber den bolivianischen Bussen ist noch immer sehr groß, so
dass ich mir einen Flug mit TAM Bolivia gönne. Nicht nur meine Frostzeiten an Bord oder die Autopanne in der Nacht führen zu diesem Entschluss, sondern vielmehr der Zwischenfall in der Salar de Uyuni. Drei Tage nachdem ich dort gewesen bin, sind 2 Busse frontal zusammengestoßen und es hat 13 Tote gegeben. Da ist doch das Misstrauen berechtigt. Wie die das allerdings hinbekommen haben sich mitten auf dem Salzsee so fatal zu treffen ist mir schleierhaft. Vielleicht liegts daran, dass das hier halt Bolivien ist, aber viel wahrscheinlich liegts an der Tatsache, dass es als Busfahrer gar nicht mal so ungewöhnlich ist sich während der schweren Arbeit auch mal nen Te con T (Tee mit „was drin“) zu gönnen. Dank Evo wird an Verbesserungen gearbeitet – an den Busbahnhöfen muss jeder Fahrer vor Abfahrt „pusten“, aber bis in die Wüste sind diese Veränderungen noch nicht vorgedrungen.TAM ist übrigens der zivile Zweig des Militärs, man verdient sich hier ein Zubrot mit Zivilflügen. Wenn denn die Flugzeuge nicht für Auseinandersetzungen benötigt werden, dienen sie eben als Gringotransporter. Das ist ganz witzig in so eine uralt Propellermaschine zu steigen, nachdem man eine ganz Armada schwerbewaffnete Soldaten passiert hat. Ein Schild am Eingang besagt, dass es seit 739 Tagen keinen Unfall gegeben hätte. Sehr beruhigend. Die Maschinen sind angeblich sogar besser gewartet als die der zivilen Luftfahrt. Nun, die Sitze sind es nicht. Man liegt eher als dass man sitzt, was wohl auch der Grund dafür ist, dass es an Bord keinerlei Sicherheitsinstruktionen gibt, von wegen Sitze aufrecht und so. Und da ich „luftfest“ bin, macht es mir auch nicht viel aus, dass gerade ein Vereinigungstreffen der Luftlöcher Boliviens auf der Strecke stattfindet oder dass die Landebahn in Rurrenabaque noch aus solidem Grasuntergrund besteht.
dass ich mir einen Flug mit TAM Bolivia gönne. Nicht nur meine Frostzeiten an Bord oder die Autopanne in der Nacht führen zu diesem Entschluss, sondern vielmehr der Zwischenfall in der Salar de Uyuni. Drei Tage nachdem ich dort gewesen bin, sind 2 Busse frontal zusammengestoßen und es hat 13 Tote gegeben. Da ist doch das Misstrauen berechtigt. Wie die das allerdings hinbekommen haben sich mitten auf dem Salzsee so fatal zu treffen ist mir schleierhaft. Vielleicht liegts daran, dass das hier halt Bolivien ist, aber viel wahrscheinlich liegts an der Tatsache, dass es als Busfahrer gar nicht mal so ungewöhnlich ist sich während der schweren Arbeit auch mal nen Te con T (Tee mit „was drin“) zu gönnen. Dank Evo wird an Verbesserungen gearbeitet – an den Busbahnhöfen muss jeder Fahrer vor Abfahrt „pusten“, aber bis in die Wüste sind diese Veränderungen noch nicht vorgedrungen.TAM ist übrigens der zivile Zweig des Militärs, man verdient sich hier ein Zubrot mit Zivilflügen. Wenn denn die Flugzeuge nicht für Auseinandersetzungen benötigt werden, dienen sie eben als Gringotransporter. Das ist ganz witzig in so eine uralt Propellermaschine zu steigen, nachdem man eine ganz Armada schwerbewaffnete Soldaten passiert hat. Ein Schild am Eingang besagt, dass es seit 739 Tagen keinen Unfall gegeben hätte. Sehr beruhigend. Die Maschinen sind angeblich sogar besser gewartet als die der zivilen Luftfahrt. Nun, die Sitze sind es nicht. Man liegt eher als dass man sitzt, was wohl auch der Grund dafür ist, dass es an Bord keinerlei Sicherheitsinstruktionen gibt, von wegen Sitze aufrecht und so. Und da ich „luftfest“ bin, macht es mir auch nicht viel aus, dass gerade ein Vereinigungstreffen der Luftlöcher Boliviens auf der Strecke stattfindet oder dass die Landebahn in Rurrenabaque noch aus solidem Grasuntergrund besteht. Am Freitag soll der Flug zurück nach La Paz gehen und ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das alles so klappen wird, denn so wie es derzeit hier aussieht könnte das Militär demnächst tatsächlich den zivilen Flugzweig schließen um für die aufziehenden Konflikte genügend Kapazitäten zu haben. Und die sind in Bolivien derzeit gar nicht mal so unwahrscheinlich. Am Sonntag fand das Referendum der Region (Bundesland) Santa Cruz im Osten statt. In dieser Region lebt der größte Teil der europäischstämmigen Oberschicht (die Indigenen leben überwiegend im Osten auf dem Altiplano). Das heißt der Bevölkerungsteil mit richtig Kohle: Großgrundbesitzer, deren Vorstellung von richtiger und vernünftiger Politik im Wesentlichen darin besteht genügend Einfluss für die eigene Geldvermehrung zu haben und sich nicht lästigerweise mit Menschenrechten und diesem ganzen Gleichberechtigungsquatsch befassen zu müssen. Was hat eine Cholita schon zu beklagen, wenn sie als Hausangestellte im 7 Tage/24 Stunden Dienst steht? Sie hat zu essen und, nachdem die Herrschaften dann irgendwann mal ins Bett gehen, darf auch sie, nachdem sie die Wohnung aufgeräumt hat, in ein ihr gestelltes Bett steigen (wenn sie Glück hat, kann sie darin auch wirklich gerade liegen). Auch eine Waschmaschine ist nicht dazu da von einer Cholita genutzt zu werden, sondern dient eher als Häkeldeckchen- und Vasenablage. Man kann doch ganz gut mit der Hand waschen. Das war schließlich schon immer so seit der Zeit der Conquistadores. Seitdem jedoch der gute alte Evo regiert, hat diese Bevölkerungsgruppe so richtig Stress im eigenen Land, denn plötzlich ist da ein linker Präsident, der zu allem Überfluss auch noch indigener Herkunft und Ex-Cocabauer ist. Und ein linker Präsident macht halt, was ein linker Präsident so macht. Er fördert die Arbeit der Gewerkschaften, verstaatlicht hier ein wenig die Gasförderung und dort einen Telefonkonzern und versucht die Einnahmen daraus umzuverteilen und zwar nach unten z.B. für Bildungsprogramme. Damit die Kids auch wirklich zur Schule gehen und nicht von den Eltern weiter zur Arbeit gezwungen werden, erhält jede Familie für jedes Kind 200 Bolivianos monatlich, was einen nicht unbedeutenden Anreiz für die Eltern darstellt auch wirklich dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs die Schulbank drückt. Und es wirkt, denn man sieht tagsüber kaum Kinder auf der Straße oder irgendwo arbeiten. Das allerdings ist einigermaßen doof für so einen Großgrundbesitzer, erstens muss er das mit seinen Steuern oder gar dem Firmenverlust finanzieren und zweitens könnte ja eine schlaue Cholita herauskommen, die gar lesen kann und sich über ihre Rechte informieren könnte. Bevor dieser Schwachsinn zu bunt wird reagiert man da doch lieber und lässt abstimmen. Und zwar darüber, dass man, wenn man eben keine Mehrheit in Bolivien hat – 2/3 der Bevölkerung ist indigener (und armer) Herkunft – sich seinen eigenen kleinen hübschen Staat zimmert, in dem man diese Mehrheit dann eben hat – und praktischerweise auch gleich den größten Teil der Bodenschätze! Zwar sieht die Verfassung ein Referendum über eine Abspaltung gar nicht vor, aber wer will denn da kleinlich sein (die CSU in Bayern hat ja auch schon öfter ähnliche Überlegungen über den Verbleib in der Bundesrepublik angestellt). Was aber macht man nun mit diesen Indigenen bzw. Armen in der eigenen Region? Die könnten ja eventuell gegen eine Abspaltung sein! Nun, sie können ja nicht lesen. Und da muss man denen in der Wahlkabine halt helfen! So als fürsorglicher Hausherr und Unternehmer. Die Prognosen sagen jedenfalls ein klares Ja für eine Abspaltung voraus. Was danach geschehen wird, weiß niemand so genau. Das Land ist jedenfalls in großer Sorge und die Gefahr eines Bürgerkriegs ist groß. Den ganzen Sonntag sieht man Demonstrationszüge durch La Paz laufen und überall laufen Menschen mit Radios auf den Schultern herum, um die neuesten Entwicklungen zu verfolgen. Beide Seiten sind gerüstet, wovon die vielen Waffenfunde in der Region Santa Cruz zeugen, die im Vorfeld des Referendums entdeckt wurden. Der Geldadel hält sich für alle schon einmal eine Privatarmee. Was einem bis in die Grundfesten erschüttert sind die Art und Weise, wie die „rechten“ Fernsehsender darüber berichten. Die Intonation erinnert doch sehr an einen GRÖFAZ genannten Österreicher, der allerdings weniger abspalten als "vereinigen" wollte....
So, das zur Tagespolitik in Bolivien. Ich werde noch einen Moment im No
rden Dschungel und Sumpf genießen, meine eigenen kleinen Kriege mit den Mücken austragen und Anfang nächster Woche dieses hübsche Land Richtung Westen verlassen. Für Beunruhigung besteht im Moment kein Anlass, denn wenn es knallt, dann zunächst in der Region Santa Cruz im Osten, und die habe ich ja schon vor Wochen verlassen. Morgen gibts wieder mal ne Blogpause, denn bei den Krokodilen gibts kein Internet. Evo arbeitet daran.....
rden Dschungel und Sumpf genießen, meine eigenen kleinen Kriege mit den Mücken austragen und Anfang nächster Woche dieses hübsche Land Richtung Westen verlassen. Für Beunruhigung besteht im Moment kein Anlass, denn wenn es knallt, dann zunächst in der Region Santa Cruz im Osten, und die habe ich ja schon vor Wochen verlassen. Morgen gibts wieder mal ne Blogpause, denn bei den Krokodilen gibts kein Internet. Evo arbeitet daran.....
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