Folklore
Barbara hats schon schwer mich zu überreden abends dann doch noch auszugehen. Der Leib möchte einfach nur in der Waagerechten verweilen. Aber mit ein wenig Überzeugungskraft ringe ich mich dann doch durch in meine vielen Alpakapullover zu steigen und mir die Oberflieger-Bolivianische-Frauenpower-Combo reinzuziehen. Hmm, so eine urbolivianische Konzert-Disko-Location ist schon merkwürdig. Alle sitzen da wie bei deutschen Schützenfesten in den 70er Jahren und warten gespannt auf den Auftritt. Im Hintergrund laufen folkloristische Panflötencombos auf Video - tänzelnd werden Aussaat und Ernte dargestellt, die armen Männer müssen mit den Hacken den Boden vorbereiten (wirken aber gar nicht so unglücklich dabei, winkt doch offensichtlich nach dem Hacken eine Ernte der sehr menschlichen Art) und die Frauen säen dazu tänzelnd - und der eine oder andere Gast tanzt in einer Mischung aus spanischem Volkstanz und indianischen Kraltänzen. Gegen die Kälte – Heizungen sind in diesem Teil der Welt einfach noch nicht erfunden – hilft ein Schälchen Cocablätter. Aber das Geniale ist, dass die wirklich gegen alles helfen – Übelkeit, Monatsbeschwerden, Kopfgaga und halt Kälte. So hocke ich da kauend und harre der Dinge, die da kommen mögen. Und die kommen in Gestalt von im Kreis humpelnden Indianerinnen, die dazu auf ihren Panflöten blasen. Alles schon in deutschen Fußgängerzonen gesehen, nur dass das hier offenbar das Original ist. Aber besser? Nun, das liegt im Auge des Betrachters. Wie angekündigt nörgele ich nach einer Stunde, dass ich ins Bett will.
Kommentare