Händler

Cuzco, eine wunderschöne Stadt im Osten Perus. Das ehemalige Zentrum des Inkareiches, wovon jedoch im Stadtbild bis auf ein paar Steine nichts mehr zu erkennen ist. Alles wurde von Kolonialbauten überbaut. Auf dem ehemaligen Inkapalast steht heute die Kathedrale der Stadt. Dazu existieren viele reich verzierte Kirchen, damit der gläubige Bürger, von denen es hier ebenfalls Unmengen gibt, seinen religiösen Pflichten nachkommen kann. Der liebe Herr Ratzinger hätte bzw. hat bestimmt seine helle Freude daran. Sonntags rennt hier fast die gesamte Stadt in schickstem Fummel durch die Straßen auf dem Weg in die Kirche, wo der Seelenhändler schon wartet. Davor: Massen fliegender Händler, die für den Kirchgang so sinnvolle Dinge, wie einen Minifernseher verkaufen. Sehr sehr praktisch, übersteht man auf diese Weise doch auch die langweiligen Passagen des Pfaffen (nur an der Antennenlänge muss noch gearbeitet werden, denn die stechen mit etwa zwei Metern Laenge doch arg heraus). Wer mag kann die Predigt auch sinnvoll füllen, indem er seine DVD-Sammlung säubert. Die entsprechenden Utensilien werden ebenso feilgeboten wie Klopapier und Zahnpasta. Auch die mit diesen Gegenständen verbundenen Tätigkeiten stelle ich mir in einer Predigt als höchst nützlich vor. Da könnte ich glatt selbst noch gläubig werden. Genug der Lästerei: eine wirklich tolle Stadt, in der man bequem Tage damit verbringen kann die unzähligen kleinen mittelalterlich anmutenden Gassen zu erkunden oder einfach nur an einem der vielen schönen Plätze in einem Restaurant in der strahlenden Sonne (!!!) zu sitzen und den vielen Folkloregruppen zuzuschauen. Allerdings fühle ich mich dabei ein wenig wie auf dem Bauernhof, genauer gesagt in der Abteilung Milchkühe, denn als solches scheinen die vielen fliegenden Händler und Bettler mich zu sehen. Jeder will einmal melken. Man sollte einen Nummernautomaten, wie auf Behörden üblich, aufstellen, damit das ein wenig geordneter abläuft. Tropft dann ein Sol aus dem Euter, gibt es böse Blicke, die, wäre der Sol Milch, ebendiese auf der Stelle säuern würde. Es kommen leichte Vietnam-Erinnerungen hoch. Aber soweit ist es dann doch noch nicht, denn ein Nein wird hier zumindest nach der dritten Wiederholung verstanden und ansonsten sind die Peruaner wirklich ausgesprochen nett.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Warst Du denn schon in der Straße mit dem großen Stein? Wie findest Du die Stadtflagge, irgendwie eine Farbe zuviel?
Achim

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