Im Zoo zwo

Unerwartet haben wir heute einen Zootag eingeschoben, der wirklich von morgens bis abends andauert. Am Bus, der uns an die Grenze nach Peru fahren soll, um dort gleich weiter nach Puno gefahren zu werden, gehts zu wie im Affenkäfig. Ein absolutes Organisationschaos, niemand weiß so recht wer wo mit wem und warum überhaupt sitzen soll. Bevor man jedoch in den „Genuß“ des Sitzens (ein Bus aus chinesischer Produktion – vollkommen ungeeignet für mitteleuropäische Knie) kommt, müssen allerlei Formalien erfüllt werden. Man schreibt mal hier seinen Namen auf, dann zeigt man mal dort sein Ticket, um dann Zettel zu erhalten, die wiederum ausgefüllt werden sollen. Das zieht sich so eine Weile hin. Zu Gunsten der Bolivianer sei gesagt, dass ein ziemlicher Andrang herrscht, weil in Peru bis heute gestreikt wurde und sich nun natürlich alle Touristen auf den Weg machen. An der Grenze dann der übliche Bürokratenquatsch. Meine Sorge, dass ich, da ich keinen Ausreisezettel vorweisen kann – hab bei der Einreise keinen bekommen – stellt sich als übertrieben heraus. Der Herr Bürokrat wünscht lediglich einen Stempel in den Pass zu drücken ohne auch nur mein Passbild zu betrachten. IGNORANT! Anders ergehts unserem Madagassen. Dem fehlt der Ausreisezettel zwar nicht, dafür jedoch eine Zahl zum Stempel im Pass. Man kann nämlich 30 oder 90 Tage bleiben – je nach Stempel. Ist keine vorhanden kostets für jeden Tag knapp einen Euro. Alles Verbrecher!

Und schon sind wir in Peru angekommen. Nicht wirklich anders zunächst. Die gleichen Cholitas halten störrisch ihren Hut in der Waage als hätten sie einen Nackenkrampf, die gleichen breiten Gesichter, aber die Menschen sind wesentlich aufgeschlossener. Der gemeine Bolivianer ist eher verschlossen und ein Gespräch entsteht fast nur unter Zwang. Anders der Peruaner, der quatscht einfach drauflos. Nun, das kenn ich ja von zuhause J

Der peruanische Bus – hmm, ziemlich klein geraten und nicht gerade in Schuss gehalten. Nach einer halben Stunde Fahrt ist erst einmal Kühlstopp angesagt. Es dampft mächtig vorne, aber nach etwa einer Stunde ist auch das wieder im grünen Bereich und wir kommen in Puno an, einer Stadt, die sich extrem dem Tourismus verschrieben hat. Vor der Stadt, im Titicacasee, existieren seit Jahrhunderten schwimmende Inseln, die früher Fluchtburgen vor den aggressiven Inkas und später vor den aggressiven Europäern darstellten. Auf Schilfwurzelwerk werden diverse Schichten Schilf gelegt und dann das ganze im See angepflockt, damit man bei ungünstigem Wind nicht plötzlich in Bolivien aufwacht.

Heute dienen sie als Hauptattraktion, um die Touristen anzulocken. Denn der gemeine Peruaner ist auf den ersten Blick extrem geschäftstüchtig. Auf so ein Boot passt durchaus auch die doppelte Menge Touristen und wenn man halt so lange warten muss bis diese doppelte Menge auch wirklich an Bord ist. Dass man als Tourist vielleicht das Interesse hat das eine oder andere Foto zu machen ist dabei nicht so wichtig. So versinkt die Sonne schon so langsam am Horizont bis dann endlich mal losgefahren wird. Als wir dann endlich an einer der etwa 40 Inseln angekommen sind, ist gerade noch Zeit im Schnellverfahren den Auslöser zu drücken um ein wenig von diesem Zirkus auf Fotos zu bannen. Der Inselhäuptling erklärt in bitterer Kälte – die Sonne ist, wie erwähnt, schon in Neuseeland – die Bauweise, Mutter Häuptling stickt wild grinsend an irgendeinem Stoffteil herum, während die Untertanen irgendwelche vermeintlich ursprünglichen Tätigkeiten ausführen. Zu allem Überfluss gibts dann nocht lustige Aymara-Weisen. Wer bis jetzt immer noch nicht freiwillig ins etwa 9°C kalte Wasser gesprungen ist, kann auf einem „garantiert ursprünglichen“ Boot von Cholita samt Kralvorsitzendem für nur einen Euro von einer schwimmenden Insel zur Nachbarinsel geschippert werden. Kurz: ein recht dämliches Spektakel, was einem wieder vor Augen führt wie doof eigentlich der Tourismus ist und die Frage aufwirft wer Zooinsasse und wer Besucher ist....

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hola, bienvenido en Peru! Auf den Spuren der Kanzlerin bitte vernünftig bleiben, wie ein Staatsmann benehmen, keine Pfeile schießen und immer schön von der Partei abgrenzen, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat, dann darfst Du auch noch nach Venezuela, wenn Du dafür überhaupt noch Zeit hast!
Achim

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