Klein-Jerusalem


Die Hauptreligion in Bulgarien ist bulgarisch-orthodox. Ihr angehörig fühlen sich ca. 85 % aller Bulgaren. Die Hauptkirche ist die Alexander-Newski-Kathedrale. Nachdem die Bulgaren 1878 mit insbesondere russischer Hilfe über das osmanische Reich gesiegt hatten und somit nach Jahrhunderten erstmals wieder unabhängig wurden, erbaute man diese Kathedrale zur Erinnerung an den Zaren Alexander sowie der russischen Soldaten, die in diesem Krieg starben. Krieg führen ist halt immer auch eine Frage der Perspektive und Definition, ob man später zu den Guten oder Bösen gehört. Damals sind die Russen die Guten gewesen.

Die Atmosphäre in dem Gebäude ist bedrückend - tiefdunkle Wand- und Deckenmalereien lassen einen so klein werden, dass man draußen dann gestaucht weiterläuft, bis man die Statue des Tsar Samuil passiert, dessen böser Blick einen förmlich durchbohrt und man sogleich auf Miniaturniveau schrumpft.

Derart in der Größe angepasst passt man gut in die nahe gelegene, recht kleine Moschee Banja Baschi. Wer gern sauniert bekommt den Namen selbst hergeleitet. An dieser Stelle existiert schon seit Römerzeiten eine Thermalquelle. Unter osmanischer Herrschaft existierte in der Nähe ein Hamam. Was liegt näher als dieses Gebäude ‚Bädermoschee‘ zu nennen. Sie ist die letzte aktive Moschee in Sofia. Dem Islam zugehörig fühlen sich etwa 10 % der Bulgaren.

Schräg gegenüber befindet sich eine Synagoge, die leider geschlossen ist. Jüdische Bürger gib es nur noch im Promillebereich. Die dunklen Zeiten und auch die anschließende sozialistische Ära ließen die Zahl auf wenige hundert Personen sinken.

Auch wenn ich noch nie in Israel war – Sofia ist dann wohl die kleinere Schwester von Jerusalem: Die drei großen Religionen in kürzester Distanz zueinander.

Was die sozialistische „Religion“ angeht, erscheint diese in der Innenstadt in ihrer ganzen Monstrosität. Wie die deutschen Städte ist Sofia schwer zerbombt worden, da man sich eben mit den Bösen alliiert hatte. Man hatte Platz Riesengebäude aus dem Boden zu stampfen. Anders, als in Berlin ist der Baustil für mich als absolutem Architekturstümper eine Mischung. Die Säulen erinnern an das Altertum, der größte Teil ansonsten an die sozialistische Zeit. Niemand möge mich für diese Einschätzung verurteilen, wie gesagt: ich bin unwissend.


Alles in allem ist Sofia eine schöne, unaufgeregte Stadt mit vielen lohnenden Ansichten, Unmengen an Straßencafés mit teils etwas zu unaufgeregter Bedienung und auffallend vielen Grünflächen.


Der Abend klingt mit Emil, Laura und einem Freund der beiden, einer Shisha und leckeren Cocktails vor der beschriebenen Kulisse aus. Hier ohne die Balztänze des Vitosha-Boulevards. Gibt es eigentlich ‚Balzplätze‘?......

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel