Wisteria Lane
Mein erster Eindruck des Landes/der Leute: unglaublich entspannte Atmosphäre/Menschen. Fühlt man sich sonst an mancher Zollkontrolle automatisch wie ein Schwerverbrecher, so werden hier zwar bestimmt, aber ausgesprochen höflich, Motivation und Dauer der Einreise abgefragt, bevor man freundlich weitergeleitet wird. Weiter geht es mit Uber. Es ist mein erster Versuch, der etwas holprig gerät, weil der fast 24stündige Ritt das Hirn zu einer wabernden dysfunktionalen Masse hat werden lassen. Die Leute drum herum können bequem zuschauen, wie die Walzen im Oberstübchen des Herrn S. Mühe haben sich überhaupt zu bewegen, alles läuft in super slowmotion ab.
Wir erreichen unsere Unterkunft und befinden uns mitten in der Wisteria Lane der Serie Desperate Housewives. Die Häuser sehen genau so aus, Häuser mit Veranden und Erkern aus Holz, vorne gepflegte Rasen und natürlich die obligatorische Garage. Die Vermieterin könnte die chinesische Variante von Gaby sein, der Latina aus der Serie. Sie hört gar nicht mehr auf zu erzählen. Quasi „desperate“ redet und redet sie alles Mögliche. Überhaupt scheint die Herkunft der meisten Einwohner hier chinesisch und indisch zu sein. Die Vorstädte, durch die wir fahren, sind sehr gepflegt und sehen überwiegend so aus wie auf dem Bild.
Durch die Bank sind alle Menschen, sei es der Uber-Fahrer, der Verkäufer, der Polizist oder der Bauarbeiter, ausgesprochen höflich und offen für ein freundliches Gespräch und jeder ist enorm bemüht, behilflich zu sein. Das Sozialleben muss man nicht in Freundeskreisen suchen, hier reichen Supermarkt und Uber. Ähnlich habe ich das vor Jahren in Neuseeland erlebt. Alle lächeln gern und oft und geben einem das Gefühl willkommen zu sein. Als Berliner ist das dermaßen ungewohnt, dass man sofort misstrauisch wird und irgendeine Finte vermutet.
Recht früh fahren wir zurück zum Flughafen und holen unseren Mietwagen für die kommenden 3 Wochen ab. Kleiner Nervenkitzel ist dann die Unsicherheit, ob die Kreditkarte heute funktionieren wird. Gestern wurde sie sowohl auf Island als auch beim Geldabheben in Kanada abgelehnt, so dass mein Mitbewohner in Berlin alle Ordner durchwühlen musste, um sicherzustellen, dass zumindest die PIN i.O. ist. Aber alles geht gut.
Die Fähre bringt uns mittags nach Vancouver Island. Uninformiert, wie wir sind, buchen wir fast den kompletten Weg nach Victoria mit der Fähre und wundern uns, dass das doch recht teuer ist. Man hätte eine kurze Fähre nach Nanaima nehmen können und dann von dort mit dem Auto weiterfahren. Naja, so ist es auch schick. Die Fahrt führt an kleineren Inseln vorbei und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.
Gemütlich schaukeln wir (oder besser schaukelt uns das Auto, quasi autonom, mit allerlei Spur-, Geschwindigkeits-, Brems- und sonst welcher Assistenz, die letzten 30 Kilometer durch die Nadelwälder der Insel in die Provinzhauptstadt Viktoria.
(angesichts der so enorm fortschreitenden Technik steigt hier die Zuversicht, dass auch ein rollatorgestütztes viertes Sabbatical in die Nähe des Möglichen rückt)



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