Into the land of the free

 

Der große Tag ist gekommen – wir machen uns auf den Weg in die USA. Während ich im Hinblick auf die Einreise in ein anderes Land normalerweise überhaupt keine Bedenken habe, so ist mir bei den USA immer ein wenig bis ziemlich arg mulmig. Bauchgrimmen habe ich schon seit Tagen deswegen. Habe ich an alles gedacht? Was, wenn wir was vergessen haben. Haben wir aus Versehen irgendwo einen verbotenen Apfel im Auto? Die Medikamente sind NICHT in der Originalverpackung – wird das problematisch? Vielleicht hat der Grenzbeamte gerade Blähungen oder ein kaputtes Knie? Und vor allem was machen wir dann? Richtung Toronto? Nee, ich bin völlig zufrieden damit weiterzuziehen. Derlei Gedanken und noch viele mehr begleiten mich auf dem Weg zur Grenze. Nach drei Stunden kommt dann die Stunde der Wahrheit. Auf kanadischer Seite sehe ich einen Mülleimer für die nicht erlaubten Dinge und halte an – leider im Halteverbot. Das bleibt nicht unbemerkt. Ein kanadischer Grenzbeamter kommt direkt auf mich zu, ich steige aus und der greift an seine Waffe. Ups, ich hebe leicht meine Hände, aber immerhin lässt er mich erklären und die Anspannung löst sich bei ihm und viel mehr noch bei mir. Tatsächlich grinst er zum Schluss und meint wir sollten doch einfach die Äpfel mitnehmen und zunächst fragen. Ich fühle mich wie ein Trottel.


Auf der US-Seite fragt der Officer lediglich nach den Pässen und den Zweck der Reise, lässt uns parken und bittet uns in das Gebäude für Stempel, Foto und Fingerabdrücke. Wir müssen gut 5 Minuten warten – außer uns ist dort niemand. Schließlich muss Emil antreten zur Prozedur und einige Fragen beantworten. Woher wir uns kennen, warum er in Berlin lebt und wie oft er in den USA war. Auf die Frage seiner Herkunft sagt er K. in B. und der Officer erwidert nur „Oh, thats cool!“ Dann werden Fingerabdrücke und Foto genommen und ich bin dran. Gleiche Prozedur, wenn auch kürzer. Das war es. Nichts zu Äpfeln oder sonstiges, keine strenger Schäferhund oder gar ne Hundertschaft, die mich abführt.


Sehr erleichtert befinden wir uns nun also in Montana, USA. Und es fühlt sich auch anders an. Meilen statt Kilometern, Gallonen statt Litern. Umgerechnet kostet der Liter Benzin etwas weniger als ein Euro. Zunächst fahren wir noch durch Berge, durch Wälder und Seen vorbei, doch schon bald befinden wir uns in einer komplett veränderten Landschaft und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. So weit das Auge reicht erstrecken sich scheinbar unendlich große Weiden Richtung Horizont. Nur vereinzelt sind die Hügel mit Wäldern überzogen. Die Sonne scheint, alles wirkt gelb-grün. Wir erwarten, dass jeden Moment eine Büfffelherde über die Hügel zieht (Bären? Wer will die sehen?) In der Realität sind es dann nur Rinderherden. Es ist schier überwältigend schön hier.




Unser Problem jedoch: der mobile WLAN-Router funktioniert nicht, Läden oder besser überhaupt Ortschaften gibt es nicht. Nach der Grenze gibt es eine Tankstelle und ein Motel, danach kommt fast 400 Kilometer gar nichts mehr. D.h. wir fahren quasi blind durchs Land. Man ist völlig abgeschnitten von Informationen ohne Internet. Sehr krass. In Helena, der Hauptstadt von Montana, versuchen wir eine Simcard zu kaufen. Die Leute, die wir fragen, wo wir das machen können, schauen uns erstaunt an. Anscheinend hat in diesem Land noch nie irgendjemand eine Simcard gekauft. Nach weiterem Durchfragen, sagt man uns wir sollten es bei Walmart versuchen. Doch den ohne Internet zu finden ist eine wieder eine absolute Herausforderung. Letztlich finden wir ihn, doch das nächste Problem ist, dass die technischen Standards zunächst zu klären sind. Wieder suchen, fragen und hoffen. Das größte Problem allerdings ist, dass wir vor Mister Phlegma himself stehen. Ein Mensch dessen Körperumfang nicht messbar ist und der alles vermeidet, was diesen Umfang in irgendeiner Form verringern könnte. Es handelt sich um eigentlich um ein Kalorie-Einsparsystem. Nun, ich spiele Lotto und gewinne: GSM ist es. Ich mache mich an die Registrierung und: scheitere. Puh, stressig. Herr Phlegma fühlt sich nicht zuständig. Ich scheitere am Internet, aber alles gut, dann wird der nächste Tag nicht langweilig. Wir buchen ein Motel in Helena und lassen uns zum Abend vom Himmel in Flammen sowie einem Besuch bei McDonalds trösten.



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