Totems und Elche

Nachdem uns die vielen Waldbrände im Norden von British Columbia etwas nervös gemacht und wir deswegen die Fähre dort hoch gecancelt hatten, entschieden wir uns länger auf Vancouver-Island zu bleiben. Dort oben bei Prince Rupert gibt es leider keine alternativen Straßen Richtung Osten, lediglich Schotterpisten, auf denen wir nicht fahren dürfen. Im Falle eines Brandes, was wohl häufiger der Fall ist, ist dann tagelang kein Durchkommen möglich.

Ein lieber Mensch hat uns den Vorschlag gemacht nach Tofino zu fahren. Auf dem Weg dorthin lassen wir uns Zeit und schauen mal hier und mal dort. In Duncan gibt es viele Totempfähle zu sehen. Und ich habe tatsächlich wieder etwas dazugelernt. Bis heute standen diese Pfähle für mich gleichbedeutend mit Folterinstrumenten, an denen alte und junge weiße Menschen gekocht, skalpiert, als Schaschlik oder sonstwie zubereitet worden sind. Nein, es sind Erinnerungen/eine Ehrerbietungen an die Toten bzw. Skulpturen, um sich von den Göttern bestimmte Dinge zu wünschen, z.B., dass der Orca an der Flussmündung, der seit Wochen die Lachse vollständig verspeist, endlich verschwinden möge. Das andere war ja der Marterpfahl. 😊


Da wir keine Lust auf den schnellen Weg haben, biegen wir links Richtung Cowitchan (Cowitchan-See) ab. Alle Nase lang gibt es den Hinweis auf Elche, die hier die Straße kreuzen sollen. Und zack: da ist einer! Und was für ein Exemplar. Mein erster Elch! Unsicher inwieweit das Veganertum bei Elchen in Kanada ausgeprägt ist, fotografiere ich ihn mit dem Teleobjektiv. Ein stattliches, schönes Tier. Steht in Kanada ein Schild als Warnung, dann scheint man sich wirklich darauf verlassen zu können, dass man auch eines sieht! Das war mit den Rehen auch schon so, Bärenschilder werde ich fortan auf keinen Fall ignorieren.

Hinter dem See fängt dann leider eine Schotterpiste an, so dass wir umkehren müssen. In der Mitte der Insel wieder die übliche wilde Vegetation mit hier schon sehr hohen Bergen. Und schließlich: Baustelle! Alles steht. Ein Bauarbeiter klappert die Autos ab und informiert uns, dass jetzt erst einmal gearbeitet würde und es in knapp zwei Stunden weiterginge. Warten, Zeit haben wir genug. (Wäre vermeidbar gewesen, wenn Herr S. doch einfach mal die Informationen der Unterkünfte VORHER läse).

 

Danach führt uns der Weg durch uralte Douglasien- und Thuja-Wälder. Die Bäume sind riesig, ich schätze an die 50 Meter hoch. Und wunderschön. Was im Garten raus musste und schrecklich aussah, sieht hier grandios aus. Es folgen unberührte Seen, schneebedeckte Gipfel und wieder Wälder, bis ein erster kurzer Blick auf den Pazifik möglich ist. Ortschaften gibt es im Inland nicht, lediglich vereinzelte Häuser am See. 

Nach 30 weiteren Kilometern endet die Welt hier in Tofino, einem kleinen, ehemaligen Fischerdorf, das zwar recht touristisch ist, aber wunderbar malerisch am Meer von einer Vielzahl kleinerer Inseln umgeben, gelegen ist. 


Wir kommen im "Paddlers Inn" unter, dem zweitältesten Gebäude des Ortes, wie uns John, der Eigentümer erklärt. Schon vor mehr als 100 Jahren war dieses Gebäude ein Hotel. Wir befinden uns direkt am Wasser und blicken auf die Berge, das Wasser, Wasserflugzeuge, Boote und erleben einen unglaublichen Sonnenuntergang. 

 


 


Auch wenn ich diesen Begriff noch für später aufbewahren wollte: atemberaubend! Bierchen und Wein sowie ein paar Kräuter tragen darüber hinaus zum Gelingen des Abends bei.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel