Von Bergen zu Bergen
Lillooet war ein absoluter Treffer. Die Unterkunft befindet sich in der unteren Wohnung im Haus von Richard und Elaine (nicht das Haus auf dem Bild). Ein süßes Rentnerehepaar, das sich den Lebensabend mit der Vermietung an Touristen finanziert. Man möchte beide sofort in den Koffer packen und nie wieder hergeben. Anfangs ist es aber ein wenig gruselig. Das Haus der beiden liegt eine Straße weiter zur ‚Hangman-Lane“, des Hauses ansichtig assoziiere ich Alfred Hitchcock. Wenig hilfreich ist auch, dass die Bewohner die Jalousien 24 Stunden unten haben. Was diese ganzen Hollywoodfilme so mit einem machen. Der Ort selbst hat einen Saloon, eine Holzkirche und diverse kleinere Läden. Ohne Zweifel: abends gibt es das Duell mit Sheriff und Delinquent.
Die Wohnung ist top.
Zwei Zimmer, Wohnzimmer und Küche mit großer Terrasse davor und Blick auf Berge
und Fluss. Zwar zahlt man in Kanada wirklich ne Menge für Unterkünfte, man
erhält aber in der Regel wirklich viel dafür. Frühstück gibt es obendrein.
Wir fahren heute weiter durch einige ausgetrocknete Täler Anscheinend ist diese Gegend dauerhaft sehr trocken und die Wolken bleiben an den ganzen vorgelagerten Bergrücken hängen. Man sieht viele Farmen mit Viehzucht und Felder mit Weinstöcken. Die Felder in den Tälern werden beregnet und allerorten Heu geerntet.Die Beregnung dürfte bei all diesen Seen, Creeks und Flüssen kein Problem zu sein.
Nach etwa 80 Kilometern beginnt sich die Landschaft wieder dem Bild, was ich von Kanada habe, anzupassen. Es wird es wieder grüner und die Wälder sind wieder dichter. Lange hält das nicht an. Plötzlich sind alle Berge verschwunden und der Highway wird von Birkenwäldern gesäumt. Wir kommen ins Niedersachsen ohne Wiesen und Orte, dafür mit tausenden Seen, Birkenwäldern und Moor. Das geht unglaublich lang. Die Orte heißen nach den zurückgelegten Meilen. „70 Mile House“, „93 Mile“ oder „100 Mile House“. Es gibt jeweils einen kleinen Supermarkt und eine Tankstelle. Unsicher wie viele Märkte noch kommen, halten wir in „Lone Butt“ (übersetzt einsamer Arsch oder etwas freier: ‚am Arsch‘), und legen uns einen Lebensmittelvorrat an. Die heutige Unterkunft hat gemeldet man sei in jede Richtung etwa 30 Minuten Fahrtweg von der Zivilisation entfernt. In Lone Butt ist es ein Erlebnis. Die Menschen dort sind sehr authentisch. Auf Garderobe oder was immer sonst, wird weniger Acht gegeben. Der kanadische Holzfäller bleibt seiner Kleidung über Wochen treu. Wie Lebenspartner auch teilt man Bakterienstämme und Gerüche. Und ganz ehrlich: ich verstehe es - alles andere würde nur stressen. Ich glaube man kann seinen Urlaub komplett hier an einer Tankstelle verbringen ohne Langeweile zu haben.
Wieder etwa 100 Kilometer später kommen dann auch endlich wieder die Berge zurück ins Spiel. Dazu kommt ein reißender Fluss (Thomson River) und Kanada ist wieder wie erwartet. Die neue Unterkunft zu finden ist recht kompliziert. Selbst mit Googlemaps schwer, weil a) kein Empfang und b) dort nicht vermerkt. Wir nehmen den gewünschten Forstweg Nr. 157 und fahren die gewünschten 18 Kilometer den Berg über Schotterpisten nach oben, unwissend wie es ausgehen wird. Über den Weg hoppelt immer wieder ein Kaninchen, jedes Mal in Begleitung eines „Squirrels“ (kleines Eichhörnchen). Die sehen aus wie ein Paar.
Endlich erreichen wir die Mad Fox Ranch. Hier leben James und Sarah, ein kanadisches Paar, das sich hier ein Paradies inmitten der Berge geschaffen. Weitestgehend leben sie autark mit Garten, Schweinen, Schafen und Bären.
Unsere Hütte liegt direkt am Bach, auf der Veranda lassen wir in traumhafter Natur den Tag ausklingen und recherchieren die Wachzeiten von Bären. Sehr zu meinem Leid kommt heraus, dass sie gern des Nachts auf Futtersuche gehen. Jeder nächtliche Klogang ist in der Folge von höchster Anspannung begleitet😰




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