Wale "fangen"


Wenn ich selbst gerade aufstehe, benötige ich eine Weile, um klar zu sehen. Ebenso ergeht es diesem Ort – er befindet sich im Nebel – mit einer großartigen, fast mystischen Morgenstimmung beginnt der Tag. Die Sonne steht schon klar am Himmel und erledigt ihre Arbeit den Dunst zu vertreiben.

 

Auf dem Programm steht eine Wanderung auf dem rainforest-trail, die wir jedoch spontan verschieben, da wir schließlich doch noch Plätze auf einem Boot zur Walbeobachtung bekommen. Bis gestern war alles ausgebucht. 

 

Tofino ist der Ort für allerlei Ausflüge in die Welt der Tiere. Bären anschauen geht hier ebenso wie Wale beobachten. Das mit den Bären erwarten wir auf dem Festland sowieso, so dass wir kurzfristig eine Walbeobachtungstour buchen. Was vor einigen Jahren in Island nicht bzw. nur mäßig erfolgreich gewesen war, müsste doch in Kanada – DEM Land der Wale möglich sein.

 Wir fahren raus und erhalten sogar eine Walgarantie. Na, ich bin ja skeptisch. Sollten wir keine Wale sehen, so lohnt einfach der Blick aus der Ferne auf die Gebirge von Vancouver-Island. Gar nicht lange nach der Abfahrt schwimmt ein Seeotter herum. Grzimek hätte jetzt „possierliche“ Tierchen gesagt – und das sind sie auch. Meist schwimmt er gemütlich in Rückenlage und lässt es sich offensichtlich gut gehen.
Ein paar Meter weiter taucht ein Knochenfisch auf. Die Crew des Bootes gerät in Ekstase und lassen uns wissen, dass sie entweder a) dieses Jahr noch gar keinen, b) überhaupt noch nie einen oder c) noch nie einen in Kombination mit einem Seeotter gesehen hätten. Hmm, wenn wir nicht zufrieden sind nach dieser Tour, dann wohl mindestens die Crew. Dann hat die Tour sich ja gelohnt.

Der Knochenfisch ist ein sehr urtümlicher Gesell. Er dümpelt durchs Wasser mit offenem Maul und filtert seine Nahrung heraus. Er sieht aus, als hätte irgendwann jemand geplant einen Fisch zu konstruieren und dann auf halber Strecke aufgegeben. Prototypen sind manchmal sehr langlebig.

 

 

 

Weiter geht es im Programm mit einem Blauhai, einem bis zu drei Meter langen Jäger, der zum Glück wenig Interesse an Menschen hat. Laut Internet gibt es seit 1580 lediglich 13 Vorfälle, bei denen Menschen durch dieses Tier zu Schaden gekommen sind, 4 davon endeten tödlich.

Und schließlich sind in der Ferne kleinere Wasserfontänen aus den Blaslöchern von Buckelwalen zu sehen. Der Buckelwal macht es ähnlich wie der Knochenfisch. Er durchschwimmt den Ozean mit offenem Maul und filtert die Nahrung, von Kryll bis kleinere Fische. So richtig deutlich lässt sich kein Wal erkennen, aber es sind tatsächlich viele. Das halbe Boot, mich eingeschlossen, hört immer das Signal „auf drei Uhr“, rennt mit den Kameras dorthin, während der Wal dann schon längst wieder abgetaucht ist, bis schließlich der Ruf „auf neun Uhr“ ertönt, woraufhin die Geschichte erneut losgeht, nur  eben in die andere Richtung. Mein Sportprogramm erfülle ich locker, ein richtig gutes Bild gelingt mir nicht. Wirtschaftlich klüger wäre es gewesen ein tolles Bild zu kaufen. EAber: eine winzige Walflosse erwische ich und alles ist gut. Gern hätte ich einen Orca gesehen, aber man kann ja nicht alles haben.

Ein kurzes Abendessen und ich falle gegen 19.00 Uhr völlig erledigt ins Bett, der gestrige Abend, die Sonne und das Geschaukel fordern ihren Tribut. 


 

 

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