Wärmepumpe und Bärenspray
gelegen. Alles ist sauber, recht geräumig und somit alles gut.
Alles?
Nein! Draußen, vor dem Schlafzimmer, im Grunde IM Schlafzimmer und gefühlt direkt neben dem Bett steht eine Wärmepumpe! Der feuchte Traum jedes Klimaklebers macht das, was er soll: er heizt und kühlt mit Strom (also dem Guten). Allein: die Wärmepumpe hat ein ADHS-Problem. Sie ist extrem LAUT!!! Selbst bei geschlossenem Fenster sind es noch knapp 50 Dezibel, bei offenem Fenster geht es an die 60 dB. Das entspricht auf der Lärmskala dem normalen Straßenverkehr. An Schlaf ist da nur mit Ohrstöpseln zu denken. Blöd nur, dass so manch einer das nicht kann. Mutti ist so ein Fall. Mir schwant Unheil. Nicht nur hier für die drei Tage, sondern vielmehr im Hinblick darauf, was das für die weitere Entwicklung in Deutschland bedeutet. Ausgeschlafene Berliner sind ja an sich schon höchst misanthropisch. Was wird aber, wenn die alle zukünftig auch noch schlafgemindert miteinander umgehen müssen? Ich glaube der Robert, die Annalena, der Omid und die Ricarda wissen das gar nicht. Ich schreibe auf meine To-Do-Liste Robert anrufen und habe das wohlige Gefühl zum Weltfrieden beigetragen zu haben!
Heute steht ein Wandertag auf dem Programm. Die Wahl fällt auf den Sooke-Nationalpark, etwa 30 Km südwestlich von Victoria am Meer gelegen. Die Wanderstiefel geschnürt, die Brotzeit eingepackt starten wir am späten Vormittag auf den Wanderweg an der Küste, der 9 Km in der langen Version und 4,5 Km in der kurzen Version umfasst. Geplant ist im (spät)-jugendlichen Leichtsinn die lange Version.
Ein Wow-Effekt mit Gänsehaut: eine großartige Szenerie mit Bäumen, Meer und Bergen erstreckt sich vor uns. Ich verkneife mir den Begriff ‚spektakulär‘, denn wir sind ja ‚erst‘ auf Vancouver-Island – die großen Parks liegen noch vor uns. Welche Begriffe soll ich dann erst wählen.
Der Pfad führt über die Felsen an der Küste durch uralte Nadelwälder, die, direkt an der Küste gelegen, von Flechten überzogen sind, welche wie Spinnweben herunterhängen. Eben ist hier nichts, man muss durchweg hoch und runter und kreuz und quer klettern. Die Belohnung sind spektakuläre Ausblicke. Auf der anderen Seite des Wassers erhebt sich eine Bergkette, an deren Fuß Nebenwolken liegen, durch die Schiffe fahren. Die Bilder sprechen sicher für sich. Es sind diese Momente, für die ich diese Reisen mache. Und es ist großartig, dass es sie immer wieder gibt. Die Welt ist schön!
Die Kräfte lassen uns aber dann doch zur kurzen Variante wechseln. Wir biegen landeinwärts ab und gehen durch den Wald zurück zum Parkplatz. Dort steht ein Schild, das nochmal auf die Fauna hinweist. Und dazu gehören allen voran Bären und Rehe. Wir haben keine gesehen – dann ist das wohl nur der Vollständigkeit halber so ausführlich beschrieben.
Auf dem Weg nach Hause läuft vor uns dann auch prompt ein Reh über die Straße.
Zuhause sitze ich auf der Terrasse und schreibe vor mich hin. Als ich aufschaue steht ein Rehbock 2 Meter vor mir und glotzt mich an. Ist ja krass!
Am Abend treffen wir in Victoria-Downtown Vincent mit seiner Freundin und einigen Freunden. Mein genialer Neffe mit seiner genialen Freundin bereiten ein 3-Gang-Menü mit Hummer zu.
Ihre 5-wöchige Reise endet in zwei Tagen. V. bietet mir sein Bärenspray und die Bärenglocken an. Ich werde ganz nachdenklich und in meinem Kopf beginnt es zu rattern: Schild, Reh, Bär, Reh auf Terrasse und auf Straße, Bärenspray und -glocken. Ich setze diese Reihe logisch fort und beschließe a) mich doch etwas ausführlicher zu informieren und b) die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass selbst der Terrassenaufenthalt intensivere Planung benötigt (z.B. das ständige Bereithalten der Kamera😏).

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