Zombies

Die Hoffnung auf frische Luft war verfrüht. Nun ist auch der Himmel über Vancouver zugezogen und es riecht auch hier nach Waldbrand. Auf Vancouver-Island gibt es seit gestern ebenfalls einen Großbrand. Der Gelbfilter befindet sich wieder am Himmel!

Vancouver ist sehr schön am Pazifik gelegen. Die Stadt durchzieht der Fluss Fraser, der vom Jasper Nationalpark kommt und hier in den Pazifik mündet. Die Bürger der Stadt haben wohl alle irgendetwas mit Wasser zu tun. Sei es kommerziell über Fischfang, touristisch über Walbeobachtungen, einfach nur Schwimmen, oder dass man eben eine Yacht sein Eigen nennt. Zwar ist es auch hier ruhig und geordnet, allerdings im Vergleich zum Rest des Landes ein wenig hektischer.


Großstadt eben. Die Innenstadt entspricht einer typischen nordamerikanischen Großstadt. Größtenteils stehen hier Hochhäuser, vereinzelt eine alte Kirche, die fast untergeht.

Im Fluss ist unter einer Brücke eine künstliche Insel enstanden, Granville-Island, die vormals industriell und nun sowohl kulturell als auch als kulinarische Meile genutzt wird. Hier finde ich das abgebildete Schild, was mich fast zu Tränen rührt:

 

Dort bummeln wir ein wenig und besuchen anschließend Chinatown, laut Recherche das zweitgrößte Chinatown der Welt. An den Häusern sind Jahreszahlen der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts zu sehen mit chinesischen Namen. Die Einwanderung aus China scheint schon vor langer Zeit begonnen zu haben. Je näher wir diesem Viertel kommen, desto mehr merkwürdige Gestalten und Bettler treten in Erscheinung. Irgendwann sind die Bürgersteige dann voll mit – ich habe kein anderes Wort dafür, das es zutreffend beschreiben könnte – Zombies. Diese Menschen sind auf der untersten Stufe der menschlichen Existenz angekommen. Sie leben nicht mehr, sie vegetieren nur noch vor sich hin. Überall stinkt es nach Exkrementen und sonstigen menschlichen Ausscheidungen und Ausdünstungen. Einige zucken im Stehen, manch einer schläft irgendwo angelehnt im Stehen oder halb gebückt oder auch mit dem Gesicht auf dem Pflaster, offensichtlich aus der Hocke runtergekippt. Die Hose halb runtergezogen, völlig verdreckt. Die Menschen sind auf Fentanyl. Begonnen hat die Karriere mit Heroin oder Kokain. In Nordamerika, gelesen habe ich das für Vancouver, sind laut einer Studie mehr als 80 % der Drogen mit Fentanyl gestreckt. Einmal eingenommen ist man schwerst abhängig und kommt aus der Nummer nicht mehr raus. Es sind die grausamsten Bilder, die mir auf dieser Welt je begegnet sind. Wer jemals einen Zombie-Film gesehen hat, der kann das hier in der Realität anschauen. Genau so ist es in Chinatown. Ich selbst schelte mich für meine Gedanken am Sozialstaat etwas zu ändern. Wobei Kanada eigentlich ein sehr ausgeprägtes Sozialsystem hat.Wäre ich Lehrer in Vancouver, ich zwänge meine Schüler zu einem Ausflug hierher!



Tief in Gedanken wandern wir ein wenig durch Downtown, essen außerhalb chinesisch und besuchen zum Sonnenuntergang den Sunshine-Beach. Ein Sprung ins Wasser macht superwach und ist wunderbar. Wir betrachten die Sonne, wie sie einzigartige Farben am rauchverhangenen Himmel annimmt. Zum Schluss ist sie fast lila – das habe ich vorher noch nie gesehen. Ein weiteres unvergessliches Erlebnis heute. Yin und Yang.

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