Ab nach Salvador
Pünktlich um 07.00 Uhr beginnt der Trennschleifer seinen Dienst. Mir reicht es vollkommen. Beim Frühstück ist der Entschluss in Nullkommanix gefasst den Aufenthalt hier um zwei Tage abzukürzen. Bei Booking ist flott eine Unterkunft in Salvador gebucht, der Uber kurzfristig bestellt. Schnell noch Sachen zusammengepackt und bloß weg hier. Krach zermürbt, und zwar sehr schnell. Ich sitze seelig in der Taxe und freue mich. Die Unterkunft heute liegt an einer Bucht in Salvador. Die Stadt ist im Grunde auf einer Halbinsel erbaut, so dass hier eine der wenigen Stellen in Brasilien ist, an denen man die Sonne über dem Meer versinken sieht.
So auch von meiner Unterkunft aus. Sie liegt am Hang und man muss erst einmal ein gutes Stück über Treppen durch enge Gassen hinuntersteigen. Dabei durchlaufe ich quasi die Wohnzimmer der Anwohner, die hier miteinander wohnen und leben.
Die Wohnung ist innen todschick, während das Haus von außen eher aussieht als müsste daran dringend etwas gemacht werden. Es gibt ein Schlaf-, ein Wohnzimmer, eine Küche und zwei Bäder - warum auch immer. Aber das geniale ist wirklich: hier schaut schaut man genau auf das Wasser Richtung Westen. Sehr sehr schön.
Der Nachmittag ist der Altstadt von Salvador gewidmet. Die Portugiesen sind hier im 16. Jahrhundert gelandet und haben das Land eingenommen. Dabei war auch ein Bischof, von Rom gesandt, dem hier eine Büste gewidmet ist. Seinen Dienst hat er 1552 angetreten, hat dann aber vier Jahre später seinen Dienst hingeschmissen und ist auf ein Schiff zur Heimfahrt gestiegen, gekentert und von den Eingeborenen mal eben so aufgegessen worden. Da hier das mit der Übersetzung ins Englische nicht so verbreitet ist, muss ich mir halt aus dem Portugiesischen direkt meinen Reim machen. Aber ich denke, dass ich das schon richtig verstanden habe. Sicherlich hat man daraus die dringende Konsequenz gezogen hier im Hinblick auf das Missionieren noch mal eine Schippe nachzulegen. Das erklärt wahrscheinlich ein wenig, dass das Christentum hier sehr intensiv und sehr verbreitet ist. Zugegeben, eine recht eigenwillige Erklärung. Im Hinblick eine andere Sprache als Portugiesisch zu erlernen ist es mit dem Eifer dann nicht soweit her. Gestern war ich in einem Informationsbüro für Touristen: es spricht keiner englisch, auch nicht spanisch. In der Schule wird das Thema Fremdsprache nur am Rande abgehandelt, hier konzentriert man sich, zumindest in den staatlichen Schulen, auf die klassischen Fächer; Mathe, Portugiesisch und die Nawis. Englisch gibt es zu wenig und wenn in anständigem Maße, dann in den Privatschulen.
Die Altstadt ist mit oder ohne Sprachkenntnisse wunderschön und ist für mich so eine Mischung aus verfallenem Havanna und südeuropäischer Altstadt. Man versucht ganz offensichtlich zu retten was zu retten ist, aber ist damit nicht so furchtbar weit fortgeschritten bzw das Restaurierte ist schnell wieder ein Sanierungsfall. Die Kathedralbasilika der Verklärung des Herrn (Gott, wer denkt sich so einen Namen aus?!?) stammt aus den Anfängen der Stadt, erbaut Mitte des 16. Jahrhunderts und tatsächlich so weit fertig, nach und nach kam dann das eine oder andere, mal ein Turm, dann ein paar Glocken, dazu. Papst Pius hat die sie zur Basilika ernannt. Seit 1985 ist sie genau wie die Altstadt Weltkullturerbe. Der Innenraum ist über und über mit von Gold überzogenen Holzschnitzereien ausgeschmückt. Jede Menge kleine pummlige Jungs sind als Holzfiguren eingearbetet - die dürfen natürlich in einer anständigen katholischen Kirche nicht fehlen. In Nebenräumen läuft man im Grunde durch ein Museum. Das Alter dieser Räume mit ihren Originaleinrichtungen beeindruckt sehr. Ein Raum könnte auch der Vorläufer von Madam Tussaude sein. Sehr echt wirkende Figuren von der und dem Heiligen (Heiligenden??) sowieso und sowieso stehen dicht beieinander. Mir ist außer dem barhäuptigen, blutüberströmten Herrn niemand weiter bekannt.
Eine wirklich beeindruckende Stadt.







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