Bates

Das Motel heute hat seine besten Jahre bereits hinter sich. Es fühlt sich ein wenig so an als befände man sich in den 60er Jahren. Bis auf die Tatsache, dass hier ein  Flachbildfernseher steht, könnte es vor 60 Jahren hier genau so ausgesehen haben. Als Emil einmal „Mutter“ sagt läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken und ich wähne mich in Bates Motel in Hitchcocks „Psycho“ und meide für heute die Dusche.


Wir entscheiden uns den Antelope-Canyon für morgen zu buchen – TEUER (!!!) – und fahren in das Monument-Valley. Es liegt im Reservat der Navajo-Indianer. Bereits auf dem Weg dorthin gibt es Aussichtspunkte, an denen man allerlei Klimbim der Indianerkultur kaufen kann. Offensichtlich ist das hier eine weit verbreitete Einnahmequelle. In der Ferne tauchen von Zeit zu Zeit Ortschaften auf, die nicht sehr reich wirken. Einfache Häuser ohne alles drumherum. Die Navajos sind die zweitgrößte Indianerkultur in den USA, die Hälfte von ihnen lebt in dem Reservat in Arizona.



Das Monument-Valley ist grandios. Einzelne Tafelberge stehen im Nichts. Eine Wanderung führt um einen der Berge herum durch die Wüste, die tatsächlich lebt. Eidechsen, Mäuse und sehr penetrante Fliegen, die in alle Kopföffnungen hineinfliegen. Bei 33°C wandern wir zum Glück mit genügend Wasser in der absoluten Stille. Man hört nichts – ein Fest für meinen Tinitus, der sich die volle Aufmerksamkeit erkämpft.


Recht früh sind wir zurück in Page und gehen bowlen. Wir sind quasi an der Geburtsstätte des Bowling. Die Bahn sieht auch so aus als stammte sie noch im Original aus dieser Zeit. Im Grunde ist es eine Bar mit angeschlossener Bahn. Der Großteil der Leute betrinkt sich – gepflegt und ungepflegt. Hier trifft sich das ehrliche Amerika. Ein Herr mit Cowboyhut und einem Sweatshirt mit dem Aufdruck  ‚Elkoholic‘ lallt eine ebenfalls nicht mehr ganz standfeste Dame mit Perücke und weißen Westernstiefeln voll. Am Tresen eine Gruppe sehr männlich wirkender Damen, die auch ganz ordentlich bechern. Alles wird von einem dem WC entstammenden Geruch umwabert. Einzigartig. Chichi gibt es hier nicht. Stairway to heaven und Hotel California schallt es aus den Boxen. Amerika hat eine Patina. Die Straßen, die Bars, die Menschen.

Mac’n-Cheese runden den Abend ab.

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