Bunte Vögel, Getier und Fliegendes
Bei offener Tür zu schlafen ist wunderbar. Der Atlantik sorgt für schnellen Schlaf, die Mücken für ein schnelles Ende um Mitternacht. Warum die sich auf die Füße konzentrieren wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Es juckt fürchterlich und es dauert lange bis ich wieder einschlafen kann. Irgendwie geht es bis ein übereifriger Bauarbeiter nebenan seinen Trennschleifer anwirft. Adieu Idyll! Noise-Cancellation-Kopfhörer und Ohropax helfen wie immer.
Gefrühstückt wird im Resort gegenüber. Die Preise sind für brasilianische Verhältnisse recht hoch, für Deutsche sehr in Ordnung. Ich erkunde den Ort und den Strand. Irgendwie erscheint der Ort schon recht künstlich. Die Häuser sehen alle sehr authentisch aus. So wie man sie sich in einem brasilianischen Fischerdorf vorstellt. Allein, es fehlt das Abgenutzte, die Patina.
Alles sieht sehr ordentlich und neu aus. Wie geleckt. Fast alles ist Fußgängerzone mit Unmengen an Restaurants und Touri-Bedarf. Zwischendurch fühle ich mich an die Universal-Studios in LA erinnert und ich klopfe kurz an eine Mauer. Ist echt - zum Glück. Mir gefällt es. Der Tourist als solches wünscht sich ja immer das "ursprüngliche, total originale Leben" der Einheimischen kennenzulernen und ist dann sehr schnell bei der Sache sich zu beschweren, dass die Schuhe dreckig werden, das Wasser kalt ist, keine Restaurants da sind und der Strom ausfällt. Da verschwindet der Wunsch nach "Ursprünglichkeit" dann ganz flott. Die Alternative wäre es in abgelegene Weltgegenden zu reisen mit allen dazugehörigen Strapazen. Stellen sich drei Fragen: gibt es noch schöne, gibt es sie überhaupt noch und wie lange gäbe es sich, wenn der Rucksackreisende diese erst einmal ausfindig gemacht hätte. Die Rucksacktouristen der vergangenen Jahrzehnte haben all diesem hier den Weg geebnet.
Da ist es doch viel besser wenn die Bahia-Lady am Hafen an der Kirche in vollem Ornat für günstiges Geld posiert und für das authenische Flair sorgt. Genauso bunt wie die sind viele Vögel, die ich noch nicht so richtig zuordnen konnte. Gelb sind sie, weiter weiß ich noch nichts. Da muss ich weiter dranbleiben.
Der Strand ist dann wieder sehr authentisch. Man nehme ein paar Kokospalmen, einen Ozean, etwas Sand, eine Prise Sonne und es kommt immer das perfekte Urlaubsgefühl heraus. Schon erstaunlich. Da kann man nichts falsch machen. (Naja, in Südeuropa wohl schon) Kilometerweit erstreckt sich der Strand entlang des Ozeans. Das alles zu laufen erspare ich mir für heute, da der Himmel immer wieder sehr dunkel daherkommt und hin und wieder auch etwas Regen runterkommt. Als ich nach Hause komme, springt etwas auf meiner Augenhöhe vom linken zum rechten Zaun auf der Flucht vor einer Katze. Ich bete inständig, dass es nicht das ist, was ich denke - ein langer Schwanz hing dran. Ich sorge jedenfallsmit meinem Aufschrei dafür, dass man sich umdreht.
Auf der Terrasse erledige ich heute einige Hausaufgaben für die weitere Reise. Interessante Orte, Hotels und Flüge checken, aber auch mich ein wenig mit der Sprache vertraut machen. Die vermeintliche Ratte entpuppt sich als Weißkopf-Büschelaffe, den es weltweit nur in dieser Gegend gibt. Sieht etwas aus wie ein Eichhörnchen. Der Kopf weicht aber schon stark ab.
Gegen Abend kommt dann eder totale Wolkenbruch. Hängematte und Veranda machen es total gemütlich. Die Fledermäuse flattern rum und auf dem Dach hopsen die kleinen Affen.



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