Delinquenten
Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, dass ich hier in einer Art Mini-Favela gelandet bin. Es wirkt schon sehr einfach und entspricht in vielerlei Hinsicht den Beschreibungen einer Favela. Es wohnen hier keine reichen Leute - die würden die Strapazen von 100 steilen Treppen auch sicher nicht in Kauf nehmen. Die Menschen, die hier wohnen, leben sehr einfach und beengt und im Grunde ist alles eins - die Wohnzimmer und Küchen werden teils durchlaufen, unglaublich viele Kinder befinden sich in den engen Gassen und spielen, und hin und wieder läuft jemand vor einem Richtung seines Heimes. Nicht immer ist das ein unangenehmer Anblick. Allgemein hängen hier jede Menge junge Leute herum, die zwar alle sehr nett sind, aber auch etwas recht delinquentisches haben. Ich gehe davon aus, dass in dieser "Gemeinde" allen klar ist, dass ich hier der Kunde des AirBNB-Unternehmens einer Frau bin und ich daher unter einem gewissen Schutz stehe, da ansonsten recht schnell Schluss mit der Vermietung der Wohnung wäre.
Ich erlaufe heute den Süden der Halbinsel, die Strände. Es ist teilweise vor Hitze nicht auszuhalten. Nicht unbedingt die Temperatur ist es, sondern die extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Ein wenig habe ich den Eindruck, dass es hier klimatisch noch anstrengender als in Thailand ist. Jedenfalls läuft mir der Schweiß in Strömen den Nacken runter.
Der Praia do Porto da Bahia ist gut besucht. Laut Intenetrecherche handelt es sich hier um den 'einschlägigen' Strand, wovon ich so direkt nichts mitbekomme. Viele fliegende Händler versuchen mich zu überreden dieses und jenes zu kaufen. Zum Teil kommen sie mir sehr nahe, so dass ich innerlich in Hab-Acht-Stellung gehe, auch hier wirkt es recht delinquentisch. Aber er ist sehr hübsch, voll von Schirmen gegen die Sonne. Drum herum jede Menge preiswerte Gastronomie. Doch ich ziehe weiter um die Ecke zum Praia do Farrol do Barra. Auch hier jede Menge Schirme und vereinzelt Gastronomie. Einige frische Obstsäfte später lasse ich mich erneut in die Altstadt fahren. Was mir gestern noch nicht so aufgefallen ist, aber heute extrem. Die ganze Stadt ist vollgestellt von Polizei und Militärpolizei. An jeder Ecke, auf Patrouille auf dem Motorrad, im SUV oder zu Fuß und eben in unglaublicher Menge. Für mich hat das den Vorteil, dass ich mich recht sicher hier fühle und mich auch traue zu fotografieren und entspannt durch die Straßen zu gehen. Ich würde sagen die Altstadt und viele weitere Teile Salvadors sind gerade aufgrund dieser Präsenz sicher. Zweimal beobachte ich eine Personenkontrolle - aus meiner Sicht ohne Anlass. Einmal startet ein SUV der Militärpolizei seine Sirene knapp hinter mir, um Autos zu vertreiben. Ich erschrecke fürchterlich. Die Herren Soldaten/Polizisten entschuldigen sich aber artig - und sehen selbst ein klein wenig wie Delinquenten aus :-) Auch hier möchte ich mich nicht beschweren......






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