Feiern

 


Muss ich mich heute dann wohl selbst. Brav genieße ich den Morgen beim Frühstücksbrunch und widme den Orangenkuchen kurzerhand als Kuchen für mich bzw. meine Gäste daheim um. Ist komisch in der Ferne allein zu feiern, aber auch völlig ok. Immerhin feiere ich nicht wirklich für mich allein, sondern die Brasilianer um mich herum feiern alle andauern und leider auch immer sehr laut, sehr laut!! Seit ich hier in Praia do Forte bin hört das überhaupt nicht mehr auf. Die letzte Nacht gab es Böller am laufenden Band, so dass ab 4 Uhr morgens nicht mehr an Schlaf zu denken ist.



Spontan mache ich mich auf den Weg den Klaus Peters Park zu erkunden. Ein Landschaftspark, in dem es angesichts der aufgestellten Schilder nur so wimmeln muss von Vögeln, Spinnen, Echsen, Gürteltieren, Faultieren usw. Während ich so laufe geht mir auf, dass es hier ja tatsächlich Vogelspinnen gibt und diese Schilder wohl irgendwie einen Grund haben... Es folgen wesentlich vorsichtigere  Schritte, die von den Augen wachsam begleitet werden. Jedes Blatt auf dem Boden, das sich bewegt wird kurzfristig zur Todesgefahr. Tatsächlich bin ich ziemlich nervös, aber alles, was ich sehe, sind kleinere Eidechsen. Soll mir recht sein.
Doof ist, dass ich in meiner Spontanität überhaupt nicht nachgedacht habe. Weder habe ich Wasser eingepackt noch anständiges Schuhwerk. So dörre ich bei tropischen Temperaturen langsam aus. Aber das Ziel naht – ein Strand nördlich – und: er ist komplett abgesperrt. Also wieder zurück mit inzwischen fiesen Blasen an den Füßen. Fast 10 Kilometer werden es schließlich, aber ich erreiche den Supermarkt mit Wasser aufrecht und gönne mir noch den Liter frisch gepressten Orangensaft für 1,90 Euro.



Wieder zuhause dann der Höllenlärm vor meinem Balkon. Den halben Tag habe ich hier auf der Terrasse 70-75 Dezibel, so dass die Noise-Reduction-Kopfhörer selbst mit zusätzlichen Ohropax auch nicht mehr helfen. Man spricht von Gesundheitsgefährdung sobald 65 Dezibel über längere Zeiträume herrschen. Die Verstärker sind so weit aufgedreht, dass sie extrem verzerren und vom Gesang eigentlich nur noch ein blechernes Geschrammel bleibt. Wenigstens relativieren sich dadurch die sehr mäßigen Gesangskünste. Freude kommt da nicht auf, nur Stress. Also sitze ich schwitzend bei 30°C unter meinen Overear-Kopfhörern und ertrage es irgendwie. Der Karneval der Kulturen ist ein Sch… dagegen. Dabei erhole ich mich gerade noch von den Böllern der letzten Nacht. Den Grund erfahre ich dann später von meiner Vermieterin: man feiert hier jetzt den heiligen Sao Francisco de assisis, und das eine ganze Woche lang mit abends und morgens Feuerwerk sowie Parties. Mein Timing ist nicht so wirklich gut. Bei meinem Abendessen marschiert dann eine Prozession durch den Ort. Aus der Ferne sieht es zunächst tatsächlich so aus als würde mir eine Geburtstagstorte gebracht. Es ist aber nur mal wieder der Herr Francisco……


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