FLEISCH in Salt-Lake-City
Mächtig kalt war es wieder, ich wache davon auf, dass mein Handgelenk eingefroren ist. Also nehme ich die andere Hand und versuche es etwas aufzutauen. Leider kann nun die Nase nicht mehr versorgt werden, so dass wiederum diese einfriert. Es ist ein Kreuz! Dösend bekomme ich mit, dass irgendwer permanent an den Leinen des Zelts zurrt, was mich völlig nervt. Da höre ich Emil laut Auflachen, als nur durch eine dünne Zeltwand von ihm getrennt an seinem Kopf ein Rind das Gras frisst. Und schmatzt! Und tatsächlich: die gesamte Rinderherde weidet im Morgengrauen nah an den Zelten, da dort das Gras besonders hoch steht. Der Tag beginnt also früh. Ziel ist es Richtung Süden zu fahren. Wie weit steht morgens nicht fest.
Durch den Yellowstone fahren wir in den südlich angrenzenden Grand-Teton-Nationalpark. Er ist besonders wegen seiner fast 4000 Meter hohen Gipfel mit ewigem Eis spannend. Das Wetter bietet heute zwar Sonne, doch ist es meist ziemlich diesig, so dass die Aussicht etwas eingeschränkt ist.
Wir fahren weiter durch malerische Hügellandschaften und die unendlichen Ebenen von Wyoming zurück nach Idaho, wo sich Rinder- und Getreidefarmen abwechseln. Alles sehr ländlich hier, die einzelnen Häuser liegen weit auseinander. Da geht’s einem doch gleich viel besser, wenn man den Waffen-Deli (siehe Bild) um die Ecke hat und eine schöne „Friedenswaffe“ sein Eigen nennen kann.
Gestern erst ging mir des Öfteren, wenn ich Eltern mit Kindern gesehen habe, durch den Kopf, was die sich wohl denken, wenn sie ihre Kleinen in die Schule schicken. Ich würde mich fürchten.
Es wird langsam wärmer. Immer
weiter fahren wir komplett durch Idaho und landen schließlich im Land der
Mormonen – Utah. Die Graslandschaften weichen und es wird immer wüstenartiger.
Die Mormonen nehmen es mit der Bibel und einigen Zusatzregeln sehr genau. Das mit dem Alkohol ist hier nicht so opportun, jedoch sagt das Internet man könne durchaus in Bars oder Restaurants gehen und dort essen. In der untergehenden Sonne erreichen wir schließlich Salt-Lake-City, die Hauptstadt von Utah und Zentrum der Heiligen der letzten Tage (oder so). Eine typische weit gestreckte Stadt der USA. Ohne Auto ist hier gar nichts zu machen. Als Belohnung fahren wir 10 Kilometer, um die Rinder von heute Morgen zu essen. In einem sehr amerikanischen, sehr lauten und auch ziemlich stressigen Restaurant esse ich/essen wir ein fast obszönes, aber auf jeden Fall das grandioseste Rindersteak unseres bisherigen Daseins auf Erden. Ohne zu übertreiben, läuft mir beim Essen tatsächlich ein Schauer über den Rücken – es ist ein Ganzkörpererlebnis. Auf Alkohol müssen wir verzichten. Die Bedienung fragt doch allen Ernstes einen Mittfünfziger nach seinem Ausweis, der dazu, weil nicht Staatsangehöriger, nicht akzeptiert wird. Den erforderlichen Reisepass haben wir nicht dabei. Mormonenland halt.






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