Fluch des Vergessens
Die Reise steht unter dem Stern des Vergessens. Irgendwie ist immer irgendetwas weg. In Kanada vermisste ich meine Uhr, die ich in der vorangegangenen Unterkunft wähnte, die dann aber doch im Koffer war und zwar in der Schmutzwäsche. Anja vergaß daraufhin ihren Kopfhörer, den wir nach Vancouver schicken lassen konnten, nur um gleich darauf zwei Pullis in der Unterkunft danach zu vergessen. Die konnte ich dann beim zweiten Aufenthalt abholen. In den USA habe ich dann dummerweise meinen Tolino vergessen und ihn nachschicken lassen, was jedoch zeitlich nicht reichte, und ich hoffe nun weiterhin auf Moritz, den wir in Portland getroffen hatten, dass er den für mich einsammelt. Wie praktisch in dieser geschrumpften Welt, dass der ehemalige Mitwohni gerade genau dort ist :-). Der aktuelle Mitwohni und Reisebegleiter war darob wenig begeistert! Das Zweithandy, insbesondere für Sao Paulo und Rio als Vorsichtsmaßnahme geplant und eingerichtet, lagert derweil weiter in Sao Paulo zur Abholung bereit :-(. Seither bin ich besonders aufmerksam, aber in Praia do Forte habe ich dann gleich Maus, Kabel und Ladestation für die Kamera vergessen, was den halben Bundesstaat heute Morgen beschäftigt hat, naja, jedenfalls die Vermieterin und alle ihre Freunde. Immerhin habe ich Maus und Kabel zurück. Die Ladestation bleibt unauffindbar. Ich verstehe das nicht, hoffe aber darauf diese wiederum in Sao Paulo bereits vorher vergessen zu haben, was mir die Chance eröffnen würde sie genau dort wieder zu finden. Aber die schöne Erkenntnis aus all dem ist: was ich nicht mehr habe, das kann mir nicht gestohlen werden :-) Und: wie erstaunlich ist es, dass scheinbar unlösbare Dinge lösbar werden. Schon verrückt alles. Mal sehen was noch kommt. Ich bin mir nicht sicher, ob ein viertes Sabbatical ohne Betreuung überhaupt noch stattfinden wird können.
Zwischenzeitlich bin ich wieder in Rio angekommen und der tropischen Hitze von Salvador vorerst entflohen. Die Airline GOL versucht sich immer noch im Weltrekord des langsamsten Eincheckens. Es treibt einen zum Wahnsinn!! Aber ich bin gesund und vollständig in Rio angekommen (körperlich auf jeden Fall - im Hinblick auf die Vollständigkeit meines Gepäcks wage ich inzwischen keinerlei Aussagen mehr).
Meine Unterkunft ist heute ein AirBNB, das doch sehr einfach ist. Die Lage an der Copacabana ist toll (stünde kein großer Baum vor der Tür, so könnte ich den Atlantik sehen) und es riecht wenigstens nicht. Nun, die Unterkunft ist sehr klein. Man sollte Weitwinkelaufnahmen verbieten!
Leider ist es echt frisch, so dass ich auf lange Klamotten umsteigen muss. Rio ist zwar immer noch die schönste Stadt der Welt, büßt aber auch ein, wenn die Sonne nicht scheint. In Punkto Sicherheit fühle ich mich wohl. Es gibt einen Portier und der Eingangsbereich ist bewacht wie in Europa ein Bank. Das ist hier häufig so. Vor der Eingangstür, manchmal auch dahinter befindet sich sehr oft noch eine Art Gitter-Käfig, den man ebenfalls erst aufschließen muss, um ins Haus zu gelangen. Es entsteht eine Art Sicherheitsschleuse, so dass niemand einen schnell ins Haus schubsen kann. Wie sicher ist doch das Leben in einer europäischen Stadt dagegen. Am Tag in den Straßen zu laufen empfinde ich als einigermaßen sicher. Zwar achte ich auch dann darauf nicht allzu auffällig mit Wertsachen aufzufallen, aber es gibt schon sehr viele Leute, die herumlaufen, so dass das Sicherheitsgefühl ok ist. Am Abend dann, wenn schon einige Läden geschlossen sind, ändert sich das Gefühl. Man wird automatisch noch achtsamer. Am Abend rennen einige Burschen in unglaublichem Tempo an mir vorbei - in Havaiannas (Badelatschen). Herr Kipchoge in Berlin mit seinen ultragesponsorten Laufschuhen sähe sehr blaß dagegen aus. Irre, was man so an Tempo in diesen Dingern erreichen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt einen delinquentischen Hintergrund hat, aber ich frage mal vorsichtshalber nicht weiter nach. Die Delinquenten-Polizei folgt zumindest nicht.
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