Magisch

… ist definitiv nicht das Hotel, in dem ich wohne. Zwar liegt es an der Copacabana in der Avenida Atlantica, also direkt am Strand, und mein Balkon liegt nach vorne raus. Allerdings ist das Zimmer wirklich fürchterlich dreckig und es stinkt. Die Betten sind durchgelegen und alles verursacht einfach kompletten Ekel. Gottseidank bin ich hier nur eine Nacht. Dem Bauch geht es jeden Tag besser und mich überwältigt am Morgen wieder dieser magische Ort. Der Atlantik mit mächtigen Wellen, die wunderschönen Hügel drumherum, die Menschen. Alles ist einfach exotisch. Selbst beim Frühstück: der Kellner spricht mich korrekt mit meinem Namen an und erläutert mir den Unterschied zum Namen „Jörg“. Er hat einige Zeit in Deutschland gelebt und ist ausgesprochen darum bemüht sich um mich zu kümmern (bemühen?). Er ist der Erste, den ich hier treffe, der Deutsch spricht. Nach dem Frühstück stehe ich vor einem Riesenproblem: soll ich vor dem heutigen Weiterflug noch einen „kurzen“ Abstecher nach Ipanema machen oder reicht es, wenn ich hier wieder Zwischenstation mache? Die Welt kann einem schon schwerwiegende Probleme bereiten….




Ich entscheide mich für einen kurzen Spaziergang am Strand. Das Meer ist heute extrem energiegeladen. Die Wellen krachen nur so an Land, die Gefahrenstufe steht auf extremes Risiko. Lebensmüde, wer da heute reingeht. Einladend ist es schon, aber die Querschnittslähmung wäre programmiert. Ich genieße einfach das Urlaubsgefühl, das sich sofort bei Anwesenheit von Ozean, Strand und Palmen einstellt. Schließlich setze ich meine Reise fort und lasse mich zum Flughafen Galeao (GIG) fahren. Das heutige Highlight ist der Spontanversuch der Airline 'GOL' den Rekord im Langsam-Boarden zu brechen. Die Taktik der Airlines das Aufgabegepäck extrem zu verteuern und absurde Aufschläge zu verlangen, führt bei den Passagieren dazu, dass sie eben jeden Millimeter des möglichen Handgepäcks plus Zusatztasche ausnutzen. Der Ärger ist programmiert. Es passt nicht alles an Bord. Ein unglaubliches Schieben und Umpacken ist die Folge.

Dennoch komme ich pünklich in Salvador an, bestelle mir schnell einen Uber, der mich die 70 Kilometer in das heutige Domizil fährt. 120 Real (ca 24 Euro) sind für mich unglaublich wenig Geld für eine solche Strecke, den Fahrer scheint es aber zu freuen. Ich recherchiere den Mindestlohn in Brasilien und der liegt aktuell bei etwas über 6 Real die Stunde, 44 Real am Tag und 1320 Real im Monat. Das sind 1,20 Euro/Stunde. Der Durchschnittslohn liegt ca. bei 500 Euro im Monat. Scheint schon etwas Geld für ihn zu sein, selbst nach Abzug von Kosten für das Fahrzeug und Gebühren. Indiskutabel als Lohn ist es dennoch. Die normalen Taxen kosten mehr. Nur: ich weiß nicht was ich zahle und man fühlt sich sehr unsicher. Das ist bei Uber komplett anders. Das Sicherheitsgefühl ist unschlagbar.

Gegen 20.00 Uhr komme ich in einem höchst idyllischen Ort an. Erst gehe ich in eine falsche Unterkunft - ein Resort. Der Herr an der Rezeption, den ich vorsichtig frage, ob er englisch spräche, antwortet: natürlich. Ich: absolut nicht. Er: stimmt. Um dann in fließendem Deutsch fortzufahren. Da bin ich dann doch baff. 

Praia do Forte ist ein (ehemaliges) Fischerdorf am Atlantik, das über die Jahre zum Touristendorf umgewandelt worden ist. Ein Klaus Peters hat hier 1971 eine ehemalige Kokusnussfarm erworben und das klare Ziel gehabt diesen Ort zum Urlaubsparadies zu machen. Nun, das ist ihm gelungen. Mein erster Eindruck ist schon mal sehr gut. Von meiner Veranda höre ich den Atlantik und der halbe Ort ist eine Fußgängerzone.


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