Neue Eindrücke

 


Freunde von mir haben eine Wohnung in Sao Paulo, die ich für ein paar Tage nutzen kann. Vom Flughafen geht es mit Uber ins Stadtzentrum. Uber ist diese Einrichtung, die es bei meinem letzten Sabbatical noch nicht gab, und die ich echt zu schätzen gelernt habe. Vorbei die Zeiten, in denen irgendwelche Taxifahrer einen durch die Gegend kutschiert haben und man nie so genau wusste a) ob und b) zu welchem Preis man ankommt. Unvergessen die Fahrt in Caracas/Venezuela 2008 vom Flughafen in die Stadt, wo der Fahrer, aussehend wie ein Mafioso, durchgängig telefonierte und permanent etwas von „desayuno“ faselte, bis ich irgendwann dachte, dass ICH das Frühstück sei, das er zu bringen gedachte, und ich mir schon überlegt hatte, wie ich das Lösegeld dann zahlen würde. Man bucht heute einen Wagen, der online bereits bezahlt ist und man exakt den Preis kennt und per App die Fahrt mitverfolgen kann. Genial. Aber am besten ist die Tatsache, dass später andere feststellen können, wo das Frühstück denn nun gelandet ist.

In der Rua Mathias Aires komme ich an und versuche der Anweisung zu folgen einen Manuel zu finden. Leider versagt in dem Moment meine mobile Router-Box, so dass ich einige Nachrichten von Jairo nicht aufrufen kann. Aber letztlich finde ich den Schlüsselhalter und fahre mit dem Fahrstuhl in die Wohnung.

Ähmmmm, in der Wohnung befinden sich genau null Betten, Tische, Stühle oder sonst etwas, das man so allgemein denkt vorzufinden, ohne dass man besondere Erwartungen an eine Wohnung hätte. Die Wohnung ist komplett leer und ich bin einigermaßen schockiert, weil ich nun im festen Glauben bin, dass ich gleich meinen Freunden die bittere Nachricht überbringen muss, dass die Wohnung justamente dann ausgeräumt worden ist, als ich dort für ein paar Tage einziehen möchte. Ich gehe also wieder runter zu Manuel (der kein Englisch spricht) und beichte, worauf er Jairo anruft, woraufhin sich das Problem löst. Es sind die FALSCHEN Schlüssel, somit die falsche Wohnung. Gottfroh ziehe ich nun in die richtige Wohnung ein. Schon wieder falsch: es ist ein Traum-Penthaus ganz oben und wunderbar hell, schön und luftig. Da ist ein WOW angebracht. Am Abend dann heimelig aus der Hängematte rausfotografiert....



Ein kurzes Nickerchen, danach gehe ich erst einmal die Internetverbindung sichern, indem ich eine Simcard kaufe. Klappt wider Erwarten hervorragend, preiswert und schnell.

Auf dem Weg zum Telefonladen bekomme ich eine erste Idee, wo ich gelandet bin. Es ist ein geniales Viertel, in dem nicht gegangen wird. Nein, man schreitet hier! Erstaunlich wie viele Menschen in der Lage sind zu gehen, ohne dass sich der Kopf horizontal auch nur einen Millimeter auf oder ab bewegt. Damit ist dann auch schon alles darüber gesagt auf welcher Flussseite ich hier gelandet bin. Auf meiner! Ich würde mal sagen, dass hier fast alle, die Bienen sind, andere Bienen sehr sehr gerne haben. Die damit einhergehenden optischen Vorzüge, modisch wie physisch, nehme ich wohlwollend zur Kenntnis. Es ist rührend anzusehen. Tatsächlich war es hier zwar ähnlich vor 15 Jahren, aber es hat sich enorm viel getan. Ich bin umgeben von schönen Menschen in bestem Klima und Restaurants noch und nöcher. In ein solches setze ich mich am Abend und genieße sowohl Essen als auch Aussichten. Derweil erwische ich mich auf dem Rückweg in meine „bescheidene“ Herberge dabei, wie ich versuche den Kopf auf einer Ebene zu halten. Ich scheitere kläglich, trampelig wie ich bin!



Kommentare

Anonym hat gesagt…
Was für einen schöne Beschreibung 🤣🤣🤣 LG Chris

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