Olympia


Nicht die Sportveranstaltung, sondern die Hauptstadt des Bundesstaates Washington ist damit gemeint. Eine beschauliche, kleine Stadt mit rund 50.000 Einwohnern und dem obligatorischen Capitol, wie auch schon in Salt-Lake-City bewundert. Das war es dann auch mit Sehenswürdigkeiten in dieser Stadt. Das kommt uns ganz gut zu pass. Ich muss noch Wäsche machen und Emil unbedingt eine Torte (eigentlich besser: Bombe) essen bzw. Karten schreiben. Im Waschsalon dann folgendes Schild.

Ich hatte das eigentlich für ein Klischee aus einer früheren Werbung gehalten, wonach sich ein sexy Mann auszieht und lauter Backfische ganz nervös ihre frisch gebügelte Wäsche zerknittern. Aber die Notwendigkeit dieses Schild aufzuhängen lässt tief blicken. Ich bleibe also angezogen. Har, guter Witz: bei meinem Anblick zerknittert schon seit langem niemand mehr irgendetwas. ☹😊

Nach 9 Bundesstaaten ist es Zeit diesem Land auf Wiedersehen zu sagen. Seit langem habe ich beim Gedanken an die USA den Begriff „süß-sauer“ im Kopf. Es ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Alles geht, alles kann riesengroß und phantastisch und unglaublich und schneller, weiter, höher, gar olympisch sein. Das ist absolut wunderbar. Die Natur ist umwerfend schön in weiten Teilen dieses Landes, die Freizeitangebote Wahnsinn, viele Menschen sehr nett. Und jetzt das nicht zu vermeidende ABER. Alles ist eine Show für Geld. Man geht hier mit allem sehr sorglos um: mit den Armen, den Obdachlosen, den Fentanyl-Opfern, der Natur, generell im Hinblick auf Rücksicht und Respekt voreinander. Das differiert in einzelnen Bundesstaaten, doch es ist überall anzutreffen. Es wird gehupt, gedrängelt, geflucht. Hier fährt man die großen Pick-Up-Trucks und wenn man einkaufen oder nur zur Post-Office fährt, so lässt man den Wagen einfach laufen. Teils über Stunden. Ein Parkplatz hatte gut 10 Fahrzeuge, die einfach liefen, ohne dass jemand drinsaß. In den Hotels bekommt man die gesamte Palette an Handtüchern, mitunter auch doppelt, die dann komplett am nächsten Tag ausgewechselt werden. Recycling kommt nicht vor. Plastikgeschirr gibt es überall und man wirft das dann komplett in den Müll, der selbstredend nicht schonend entsorgt wird, sondern irgendwo in die Landschaft gekippt wird. Durch die Innenstädte ziehen Obdachlose und/oder Drogenabhängige, was niemanden zu kümmern scheint – auf der anderen Straßenseite junge, hippe Leute im feinsten Zwirn auf dem Weg zum Meeting oder einem Hundegeburtstag. Wie gesagt: was zählt ist Geld. Man merkt es einfach überall. Natürlich daran, dass alles kostet und massiv teuer ist, aber letztlich auch an der Art, wie die Menschen und das Land drauf sind. Immer dann, wenn es nur noch ums Geld geht, dann fehlt einfach die Seele. Und das beschreibt eigentlich am besten den Eindruck, den ich hier gewonnen habe.

Der Kontrast zu Deutschland/Europa in seiner seit einiger Zeit extremen Hysterie über alles Mögliche könnte nicht größer sein. Mir erscheint es immer öfter so, dass so vielen Menschen absolut nicht klar ist, in welchem Paradies wir dort alle gemeinsam leben. Das gilt für AFD-Wähler ebenso wie für Klimakleber. Allen sei als Therapie ein Auslandsaufenthalt, gern in den USA, empfohlen.

 

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