Downtown


Es ist am Morgen unglaublich kalt. Der Himmel ist wolkenverhangen und der Lions Head befindet sich im dichten Nebel. Das wird heute nichts mit dem Tafelberg, denn der hat heute seine Tischdecke drauf. So nennt man es hier, wenn auf dem Berg eine dicke Schicht Wolken oben draufliegen hat. Da ich keine fixen Pläne mache, wandere ich am Morgen nach Downtown in die Longstreet und zum Greenmarket. Meine erste Idee die Daunenjacke anzuziehen habe ich zum Glück verworfen, denn unterwegs ist plötzlich alles Sonnenschein, so dass ich fürchterlich ins Schwitzen gekommen wäre. Nach 4 Kilometern in Downtown ist es dann aber wieder bitterlich kalt. Sich in Kapstadt korrekt anzuziehen ist schwierig, da das Wetter sich in kürzester Zeit ändern kann. So steht es im Internet beschrieben und ich kann es bestätigen. Downtown ist eine Mischung aus neuen Hochhäusern und den alten Häusern aus der Kolonialzeit.
Auf dem Greenmarketplace stehen unzählige Souvenirstände, wo ich mich mit Holzmasken, Schnitzereien von allen Tieren des Landes, Perlenketten und sonstigen Devotionalien eindecken könnte. Letztlich wird es ein Magnet für den heimischen Kühlschrank.

Was man an einem Stand auch kaufen kann: den Joint für das abendliche Vergnügen. Meine Recherche ergibt, dass es in Südafrika erlaubt ist im privaten Bereich Marihuana anzupflanzen und zu konsumieren. Einen Cannabis-Shop habe ich unterwegs auch gesehen. Ich gewinne den Eindruck, dass Deutschland in diesem Bereich das letzte Land auf dieser Erde ist, das Cannabis noch kriminalisiert. 


In einem Cafe trinke ich meinen Capucchino und werde von einer umwerfend netten Dame bedient, mit der es zu einem tollen, witzigen Gespräch kommt. Wir beide lachen Tränen. Wäre mein Weg vor Jahrzehnten nicht schon vorbestimmt worden, so hätte ich ihr heute einen Heiratsantrag gemacht. Überhaupt: es ist so leicht mit den Menschen witzige Situationen zu erleben. Die Blumenverkäuferin lacht auf meine Erklärung, dass ich als Reisender den Blumen keinen Gefallen täte, wenn ich sie jetzt kaufte. Auf der Straße sehe ich zwei junge Männer, die mit einem strahlenden Lächeln eine Art Tanz als gegenseitige Begrüßung aufführen. Toll! Ähnlich ergeht es mir beim Friseur. Für einen genialen Aufenthalt benötigt man 4 Personen. Der Frisör, ein Syrer, der aus bekannten Gründen vor 10 Jahren seine Heimat verlassen hat, schneidet mit der Ansage, dass er mich 30 Jahre jünger machen wird (er scheitert), zwei Damen waschen  und massieren Kopf, Nacken, Hände und Arme und ein höchst ambitionierter junger Mann, der, so bin ich sicher, Bienen mag, ist extrem hibbelig und motiviert aus mir einen Hipster zu stylen. Zwischendurch frage ich mich, ob er MICH dafür bezahlen wird, dass er das darf. 

Den Abend verbringe ich wieder vor dem Standardbildschirm: Sonnenuntergang an der Beachfront. Ein junger Mann spielt vermeintlich Mundharmonika. In Wirklichkeit hat der eine Colabüchse durchlöchert und pustet darauf herum. Und es klingt haargenau wie das Instrument.

 

 


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