In die Kalahari


Der Schreck von gestern ist einigermaßen verdaut. Mein Plan hier in Namibia und Botswana möglichst mit der Sonne aufzustehen und auch wieder ins Bett zu gehen, klappt ganz gut. Einem frühen Frühstück folgt die Aufgabe meine Reiseausrüstung zu komplettieren. Im Supermarkt finde ich den erwünschten Adapter und mein Herz geht auf angesichts zweier Angestellter, die meine Fragen mit einem dermaßen Strahlen im Gesicht beantworten, dass man keine Sonne mehr benötigt. Der extragroße Sonnenhut soll in der Innenstadt zu finden sein. Und hier ist es nun sehr deutsch. Da sind die Christuskirche, die Luisenapotheke, der Schwarze, der mich berlinernd um eine Spende für ein Klassentreffen aller Namibier, die vormals in Ostberlin gelebt haben, bittet, und vieles mehr. Und er besteht darauf Ostberliner gewesen zu sein! Ansonsten bin ich verwirrt angesichts der Sprachenvielfalt hier. Mir war nicht klar, dass neben englisch und deutsch auch Afrikaans gesprochen wird. Dazu kommen noch die Sprachen der Ur-Namibier. So richtig verstehe ich die Namibier oft nicht. Eines weiß ich jetzt: Alles gut bzw. OK drückt man hier mit Schaapschaap aus.

Das Parken in der Innenstadt kostet, die Parkuhr lebt. Parkwächter erstellen Tickets und kassieren für das Parken. Meiner stellt sich als ausgesprochen hilfreich heraus. Den Hut solle ich doch im Einkaufszentrum kaufen. Und siehe da: es gibt eine Vielzahl von Läden mit Safari-Ausrüstung. 


Alles ist schließlich eingekauft und ich kann mich auf den Weg nach Gobabis machen, ein Ort kurz vor der Grenze zu Botswana in der Kalahari-Wüste, die gar keine Wüste ist. Etwa 230 KM liegen vor mir auf dem Transkalahari-Highway. Die Straße ist gut ausgebaut, teils sind sogar 120 KM/h erlaubt. Das spare ich mir und fahre durch die Trockengraslandschaften, in denen mal mehr, mal weniger Akazien stehen. Also wirklich keine Wüste im klassischen Sinne. Ein Schild weist auf den Friedhof für die deutschen Schutztruppen. Mitten in der Savanne sind in einem kleinen umzäunten Gebiet die Gräber von ca. 30 "Schützenden", fast alle in den frühen 20ern gestorben anlässlich des Aufstands der namibischen Ureinwohner. Nun liegen sie in der Hitze unter dem eisernen Kreuz. Welch ein Irrsinn. Den Opfern der "Schutztruppen" ist in Windhuk ein Denkmal gewidmet. Der deutschen Vergangenheit begegnet man auf Schritt und Tritt. 


Mit meiner neuen Afrika-Playlist fahre ich anschließend gemütlich weiter und finde es nur großartig hier zu sein. Das Thermometer zeigt 37°C, die Sonne strahlt, der Himmel ist knallblau.

Die Sandune-Lodge, mein Ziel, liegt irgendwo im Nichts bei Gobabis. Von der gut gepflasterten Straße sind es etwa 10 Km Schotter- bzw. Sandpiste in die Savanne hinein und ich werde mit einem Kaltgetränk direkt vom Auto abgeholt, während ein paar Strauße an mir vorbeiflanieren. Um ein künstliches Wasserloch herum ist hier ein Resort entstanden für den alten weißen Mann aus Europa, damit er direkt aus dem Infinity-Pool die wilden Tiere des Landes beobachten kann. Mein Zimmer ist purer Luxus, auf dem Boden liegt ein totes Zebra. Immer wenn ich darüber steige ist mir unwohl. 


Die Tiere sind fast auf die Sekunke pünklich um 18.00 Uhr da. Aus allen Richtung erscheinen Gruppen von Wasserböcken. Zunächst ist kurz Schluss, aber dann strömen sie immer wieder und wieder zum Wasser. Am Abend fechten Sie mit ihren Hörnern ihre Rangfolgen aus und es knallt gewaltig während ich zu Abend dem Spektakel zuschaue und -höre. Auf der anderen Seite versinkt die Sonne spektakulär, fast klischeehaft. Leider bekomme ich das nur verschwommen eingefangen, aber das ist egal angesichts dieses Bildes, das das Afrika-Klischee so exakt wiedergibt. Was für ein Tag mal wieder. 


 

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