Kapstadt
Die gestern kurz aufgekommene Befürchtung, dass es hier nur weißhaarige europäische Zugvögel gibt hat sich nicht bestätigt, dafür gibt es einige wirklich sehr laute heimische Vögel. Den Hagedasch: eine Art Reiher, der einen markerschütternden Schrei von sich gibt, Möwen und einige Krähen. Nett wie sie sind, geben sie zum Abend Ruhe.
Der Flieger ist tatsächlich pünktlich in Kapstadt gelandet. Ich war so müde, dass ich mit meinem Getränk in der Hand eingeschlafen bin und nur kurz aufgewacht bin, als diese sehr nette Flugbegleiterin es mir ohne mich zu wecken aus der Hand nehmen wollte. Sie schaute so enttäuscht, dass ich aufgewacht bin. Kurz: Turkish Airlines sind die Besten.
Pünktliche Landung bedeutet dann aber leider nicht, dass wir auch wirklich pünktlich am Gate ankamen. Irgendwie hat sich das Vorderrad verkantet, so dass wir auf dem Weg von der Landebahn für fast zwei Stunden gestrandet waren.
Das Tolle an Kapstadt: Kurze Hose und T-Shirt. Wunderbar. Die Stimmung ist prima, die Fitness auch. Es ist mein erster Langstreckenflug, an dessen Ende kein Jetlag steht. Ungewohnt, aber großartig. Ein Uber bringt mich in meine Unterkunft im Stadtteil Seapoint direkt am Atlantik. Ein AirBNB mit allem was man braucht. Sehr hübsch eingerichtet und mit Terrasse, die bei der extremen Sonne kaum nutzbar ist. Luxusprobleme. Was die Lichtverhältnisse angeht, so fühle ich mich wie in Neuseeland oder Südargentinien. Die Sonne brennt vom Himmel – ohne Sonnenbrille geht es nicht. Im Hinblick auf die alten Gebäude komme ich mir vor wie in Neuseeland. Der britische Einfluss ist deutlich zu sehen. Und dennoch – bei allen Vergleichen: Südafrika ist anders als alles, was ich bisher an Ländern bereist habe. Das zu beschreiben wird mir nach einiger Zeit hier sicher möglich sein.
Ich gehe einkaufen und erfreue mich an dem für mich sehr niedrigen Preisniveau. Zunächst erscheint alles teuer, aber das liegt am Wechselkurs, an den ich mich erst gewöhnen muss. Die Taxifahrt für 180 Rand kostet eben tatsächlich nur 9 Euro. Der Stadtteil Seapoint liegt direkt am Atlantik, an der Beachroad gibt es kleinere Strände, die sehr idyllisch erscheinen, jedoch durchzogen sind von Felsen, so dass das Baden eher zur Erfrischung, denn zum tatsächlichen Schwimmen geeignet ist. Im Hintergrund liegt der Lions Head, ein großer Felsen, der alles überragt. An der Strandpromenade ertüchtigen sich jede Menge Herren und Damen und manch einer flaniert einfach nur. Es gibt sehr viele Obdachlose. Bedroht fühle ich mich jedoch nicht.
Das Gefühl hier ist anders als in Brasilien. Mir erscheint alles viel weniger aggressiv. So traue ich mich auch mit meiner Kameraausrüstung ein wenig herumzuexperimentieren. Und siehe da: es lohnt, denn ein Seelöwe posiert auf einem Felsen.
Da wir hier nach Westen ausgerichtet sind, steht auf dem Abendprogramm wieder der spektakuläre Sonnenuntergang. Vor 4 Wochen war ich noch auf der anderen Seite des Ozeans. Die Welt ist klein und wunderbar.


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