Nach Botsuana ins Okavango-Delta


Mir wird ganz schwindelig. Mit dem heutigen Grenzübertritt geht es in das dritte Land innerhalb von einer Woche. Das Tempo werde ich aber zum Glück nicht beibehalten. Seit heute geht es im afrikanischen Rythmus weiter. Aufstehen mit der Sonne, schnelles Frühstück und ab nach Botsuana. Am Auto muss noch eine Kleinigkeit gemacht werden, wobei mir der nette Techniker der Farm hilft. Eine Plastikverkleidung ist abgerissen und hat gestern einen beängstigenden Lärm gemacht. Kurz gesägt und neu verschraubt, so nett  und unaufgeregt. Wieder ein Lächeln und der Tag ist schön.



Um 07.30 Uhr bin ich dann auch wirklich auf der 650 Kilometer langen Strecke, sehe zunächst eine Gruppe Impalas in der Morgensonne grasen und dann geht es Richtung Osten zur Grenze. Wieder einmal bin ich ganz aufgeregt und fahre prompt an allen Kontrollen vorbei, woraufhin mich ein Soldat überaus freundlich lächelnd darauf hinweist, dass ich erst einmal umdrehen müsse und den Pass stempeln lassen muss. Alles etwas unübersichtlich. Schnell ist das dann aber erledigt und ich fahre nach Botswana. Hier ist es noch unübersichtlicher. In einem kleinen Container sitzt jemand, der meinen Pass auf Stempel prüft und feststellt, ob ich geimpft sein muss oder nicht. Da ich aus keinem Gelbfiebergebiet komme, erhalte ich den Persilschein, mit dem ich zur Passkontrolle laufe. Dort verhandel ich die Anzahl der Tage, die ich ins Land will/darf. So ganz sicher ist der Grenzbeamte nicht wie viel er mir denn nun geben kann. Er bietet 10 Tage. Es schaltet sich ein weiterer Beamter ein und wir einigen uns auf 90 Tage (die ich leider gar nicht ausnutzen kann). Er stempelt meinen Pass und gibt mir einen weiteren Persilschein. Nun kommt wieder das Apfelspiel: die dürfen nicht mit rüber. Da ich ungern Lebensmittel wegschmeiße, bekommt kurzerhand der botswanische Soldat die Packung. Nun glaube ich gerüstet zu sein, werde jedoch am letzten Posten wieder zurückgewiesen, da auf dem zweiten  Persilschein ein  Stempel fehlt, ich mein Auto noch einreisen lassen muss. Also zurück an den nächsten Schalter. Ich stehe in der Sonne vor einer dunklen Scheibe, hinter der sich ein dunkler Raum befindet, in dem ein Schwarzer sitzt. Ich sehe nichts, als plötzlich eine Stimme erschallt, die mir mitteilt, dass ich nun die Papiere vorzeigen könne. Kurz erschrecke ich mich, denn ich kann wirklich nichts sehen, bis auf ein weißes Gebiss, das mich anstrahlt. Wir schaffen es zu kommunizieren und schließlich habe ich alle Zettel und Stempel zusammen und ich habe freie Fahrt. Immer weiter auf dem Transkalahri-Highway, zunächst blind, da ich wieder ohne Internet bin. Es gibt nur Straße und Savanne und jede Menge Ziegen, Kühe, Pferde, Esel und Schafe, die immer wieder die Straße blockieren. Am Straßenrand laufen Strauße.

Das Tanken ist immer toll. Eine Gruppe junger Männer wirbelt ums Auto und wienert alles blitzeblank. Wie im Comic, wo man kurz nur Striche und Wolken sieht und dann das Bild wieder klar ist - nur eben mit gewienertem  Auto. In Ghanzi, an meinem zweiten Tankstopp, gibt es einen Tankwart, der einfach nur eine Frohnatur ist und mir jede Menge Fragen zu Botsuana im Schnelldurchlauf beantwortet und dabei dieses unglaublich charmante Lächeln im Gesicht hat. Mein Herz geht auf. Ich frage ihn, ob er nicht mein Tourbegleiter werden möchte, worauf er lächelnd ja sagt. Wäre ich nicht so fest durchgebucht: ich hätte den eingepackt! Wir sehen das wohl beide halb scherzhaft, halb ernst. Im benachbarten Einkaufszentrum ist schnell eine botswanische Sim-Karte für 3 Euro gekauft, so dass der Blindflug vorbei ist.


Hunderte von Kilometern gibt es keine Ortschaft, lediglich Bushaltestellen, an denen auch Menschen stehen und um Mitfahrgelegenheit bitten. Es gibt dann wohl kleinere Siedlungen in der Nähe, die ich nicht sehen kann. So gerne würde ich die Tramper mitnehmen, bin dann aber doch zu ängstlich. Bei jedem, an dem ich vorbeitfahre, tut es mir in der Seele weh,nicht angehalten zu haben.

Das Thermometer zeigt am Höhepunkt 43°C, da ist es eigentlich eine Schande niemanden mitzunehmen. Hält man den Kopf aus dem Fenster, so ist das wie Haare föhnen.

Kurz vor Maun, der drittgrößten Stadt Botsuanas, tauchen dann einige Dörfer auf. Die Häuser würden wir bei uns Tiny-Houses nennen. 2-3 auf 2-3 Meter misst ein normales Haus, teils sind noch Häuser in der ursprünglichen Bauweise zu sehen: rund mit Schilf/Grasdach. Mir wird klar, warum der junge afrikanische Student, den ich einst für den Transport von Möbeln in meinen Kleingarten gebucht hatte, auf meine Antwort, dass dort keiner wohnt/wohnen darf, das überhaupt nicht verstehen konnte und aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus kam.

In Maun bricht eine Welle von Eindrücken auf mich herein. Leider schaffe ich es heute zeitlich nicht mehr hier einen Spaziergang zu machen. Das hole ich morgen nach. 

Kurz vor meiner Lodge fahre ich dann durch völlig vertrocknete Wälder. Die Rezeptionistin sagt mir dann auch, dass das nicht normal sei. Man wartet verzweifelt auf die Regenzeit, die nicht kommt. Die Temperaturen sind dazu viel zu hoch. Es macht sehr nachdenklich, wenn man sich das weiterdenkt im Hinblick auf die Menschen, die hier nicht mehr werden leben können.



Die Lodge liegt direkt am Thamalakane River im Okavango-Delta. Im Fluss schwimmt ein Flusspferd, die Zimmerfrau warnt vor ihm. Es käme nachts raus und sei höchst aggressiv. Je nach Eintrag im Internet, gilt es als zweit- bzw. achtgefährlichstes Tier in Afrika. Tod durch zerquetschen. Entsprechend respektvoll halte ich Abstand. Die Sonne geht wie immer dramatisch unter und setzt den Fluss in Flammen. So sitze ich auf meiner Terrasse und höre irgendwann merkwürdige Geräusche. Das Flusspferd grast direkt vor meiner Terrasse,  3-4 Meter trennen uns.

 



 

 

 


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