Tafelberg
Endlich geht es auf den Tafelberg. Die Tischdecke hat der Sturm hinweg geweht und somit steht dem Aufstieg auf diesen sagenumwobenen Berg nichts mehr im Weg. Nach einigen Kilometern Wanderung Richtung Waterfront und anschließend wieder nach Downtown, nehme ich ein Taxi und lasse mich zur Gondel, die auf den Tafelberg führt, fahren. Die Gondel ist von einem deutschen Unternehmen vor hundert Jahren gebaut worden und erscheint wenig ermutigend. Jedoch, die frühere, hochgelobte Ingenieuerskunst scheint tatsächlich in der Lage zu sein auch heutzutage noch zuverlässig ihren Dienst zu verrrichten. Ich bin mir nicht so sicher, ob die deutsche Ingenieurskunst in Zeiten von Work-Life-Balance heute so noch möglich ist. Jedenfalls komme ich sicher oben an. Davor hat der liebe Gott aber noch das Warten gesetzt. An einem Sonntag bei Kaiserwetter haben viele dieselbe Idee, was zwangsläufig zu Wartezeiten führt. Nun, nicht schlimm, weil meine MitwartendInnenDen so wunderbare Einblicke in das Menschsein gewähren. Zunächst: man merkt, dass die Herbstferien in Deutschland in vollem Gang sind. Nun sind auch noch die Kinder und Enkel der dem deutschen Winter entflohenen Rentner angekommen. Sie sind aus dem armutsgebeutelten Deutschland, so zumindest das Narrativ manch deutschen Mediums, entflohen und fristen nun ihr Dasein für zwei Wochen in Südafrika . Jedenfalls sind sie alle hier um mich herum und man kommt mit Deutsch ganz gut zurecht. Aber wesentlich interessanter sind die ganzen, teils sehr sehr mächtigen afrikanischen Ladies, die sich die Zeit des Wartens damit vertreiben vor jedem Schild zu posen und sich gegenseitig zu fotografieren. Und was so alles an Gestiken und Mimiken möglich ist, hätte ich nicht für möglich gehalten. Der Marilyn Monroe Kussmund kommt genauso vor wie das influencerlächelnde Grinsen, aber auch dieser typische, aus dem früheren Neckermann-Katalog bekannte Ausfallschritt, bei dem derFaltenrock besonders schwingt oder der verstohlene Hausfrauenblick aus dem Otto-Gesamtkatalog. Gern verwenden die Damen auch den x-beinigen Knicks mit einer Vierteldrehung zur optimalen Untermalung Ihrer Haltung für das Foto. Großes Kino. Noch größer das Selbstbewusstsein mit dem die eigene Körperfülle wie selbstverständlich als Schön in Vollendung präsentiert und wahrgenommen wird. Ausnahmslos alle scheinen sich förmlich zu feiern. Bodyshaming: Fehlanzeige. Soooo wunderbar. Und die jungen, drahtigen Kerle sind ganz hingerissen von dieser Show.
Auf dem Berg oben das blauste Blau aller Zeiten. Ein 'Wow' reicht nicht aus, es ist einfach nur wunderbar. Der Berg ist oben tatsächlich zu einem großen Teil flach und lädt zum Wandern ein. Von der Botanik sieht man viel, die Tiere lassen sich nicht blicken, was ich angesichts der vielen hochgiftigen Schlangen ganz ok finde. Auf dem Rückweg fährt mich wieder ein so ansteckend begeisterter Uber-Fahrer. Wir reden ein wenig über die Arbeitsbedingungen. Der Lohn - es kostet mich viel Zeit ihn dazu zu bringen mir eine Zahl zu nennen - entspricht zwar in etwas einem normalen Lohn in Südafrika (umgerechnet 50
0 bis 700 Euro im Monat), dafür muss er aber auch bis zu 12 Stunden fahren. Länger geht nicht, denn Uber hat dies als zeitliche Höchstgrenze am Tag festgelegt. Uber wird dabei reich: 25 Prozent jeder Fahrt gehen an den Großkonzern.

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