Turbo
Kaum bin ich in der Lodge angekommen, muss ich auch schon wieder los. Das passiert, wenn die Reise vorgebucht ist.. In diesem Fall höchst bedauerlich. Die Lodge-Besitzerin meinte, dass sie sich den Mund fusselig redet, aber die Reiseveranstalter buchen dennoch einzelne Nächte. Allein die letzten 11 Kilometer An- und Abfahrt dauern gut 2 Stunden. Da hat man nichts von. Dennoch ist es am Morgen traumhaft von einem grandiosen Konzert an Vogelgezwitscher geweckt zu werden. Man bräuchte hier wahrscheinlich Wochen, um die Massen an Vögeln zu entdecken und zuzuordnen. Die Lodge ist nach botsuanischen Vorschriften gebaut. Die Betreiber erhalten limitierte Konzessionen für 15-20 Jahre und müssen dann in der Lage sein, den Urzustand rückstandslos wieder herzustellen. So ist alles aus Holz, Planen und Stroh- oder Metalldächern gebaut. Gemauert ist hier kaum etwas. Die Hütten liegen direkt an der Lagune und ich könnte es hier wirklich ne Weile aushalten. Mittags werde ich wieder ins Dorf, in dem mein Auto steht, gefahren. Mit dabei sind die Kinder der Lodgemitarbeiter und manch einer, der etwas vorhat. Viele Möglichkeiten hier wegzukommen gibt es nicht. Es hat so gut wie niemand ein Auto und zum Dorf sind es 11 Kilometer. Im Dorf wird wie wild gewunken. Jedes Auto wird begrüsst, eine machbare Aufgabe, da ,wie beschrieben, kaum Autos existieren. Hier ist es überall sehr ursprünglich. Die allermeisten Häuser sind kleine Rundhütten aus Stroh, manche aus Lehm, ganz selten gemauerte Häuser. Die Menschen gehen ihren Alltagsaufgaben nach, Wäsche waschen und Essen kochen, manchmal sieht man auch Gruppen von Männern beim Bier. Wochendende.
Der Weg führt mich heute 150 Km weiter nördlich zurück auf die namibische Seite in den Caprivistreifen. Dieser Streifen Land gehörte einst den Briten. Die Deutschen wollten einen Zugang zum Sambesi. Im Helgoland-Sansibar-Vertrag wurden unter dem damaligen Reichskanzler Caprivi Helgoland und eben dieser Streifen Land dem heutigen Namibia (damals Deutsch-Südwest-Afrika) übergeben, während diese auf Sansibar und Witu, einem deutschen "Schutzgebiet" im Osten Kenias, verzichteten. Der eigentliche Gedanke dahinter war es eine Verbindung mit Deutsch-Ostafrika, der Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Tansania, herzustellen. Der Caprivistreifen ist wenige Km breit und führt bis zur sambischen Grenze.
Der Grenzübertritt ist wieder höchst amüsant. Am ersten Stoppschild wird Fieber messen und ein Formular ausgefüllt. Dann muss ich ein wenig suchen, wo genau ich denn nun einreisen kann. Es ist nichts ausgeschildert. Im richtigen Raum angekommen sitzt ein Herr in Warnweste hinter dem Schalter zur Einreise und spielt auf seinem Mobiltelefon Candycrush. Er denkt gar nicht daran seine Tätigkeit zu unterbrechen. Ich bitte höflichst um Einreise, worauf er bittet das Formular dafür auszufüllen. Das mache ich und bitte erneut um Einreise. Das Gute an solch einem Computerspiel ist es, dass man das ungern unterbricht. So überfliegt er lediglich das ausgefüllte Formular, öffnet den Pass schnellstmöglich und donnert ohne mich vorher angeschaut zu haben, den Einreisestempel hinein. Die Einreise für das Auto dauert aber länger, denn die zuständige Dame ist gerade nicht da. Wäsche waschen, Essen kochen - wer weiß das schon.... Irgendwann dann kommt sie und hier wird es etwas kniffliger. Man möchte die Motornummer (nie davon gehört) und die Fahrgestellnummer. Gemeinsam finden wir diese ganzen Daten in den Papieren der Autovermietung. Schnell 20 Euro gezahlt und ich bin fertig. Nach der Grenze dann ein elendiges Gesuche welche Simcard nun die richtige ist. Ich finde sie schließlich, habe inzwischen 6 und muss dringend mal ausmisten.
Das heutige Ziel ist das Ngepi Camp am Cubangoriver. Der Weg dorthin sieht dann doch eher nach 4-Wheel aus, aber die haben gesagt das ginge. Nun, es wird sportlich und das eine oder andere Mal fürchte ich steckenzubleiben. Tiefe Löcher und hohe Sanddünen lassen mich zweifeln. Motiviert wird man von Schildern am Wegesrand wie z.B. "Keine Sorge, Du bleibst nicht stecken!" oder "Gleich geschafft". Und ja, ich schaffe es. Beim Einchecken geht alles schnell. Die Reaktion auf meine Frage nach dem Schlüssel ist ein breites Lächeln: "der sei schon dort".Bei der Ankunft an der Hütte verstehe ich warum. Es gibt schlichtweg weder Türen noch Fenster. Ein Bett steht überdacht und eingezäunt im Busch. Man bekommt ein Gefühl dafür wie man hier so lebt.
Kurz vor Sonnenuntergang buche ich mich noch in eine Bootstour auf dem Fluss mit dem Ziel den
Sonnenuntergang anzuschauen. Was soll ich sagen: jeden Tag denke ich mehr geht nicht und dann kommt es wieder dicke! Unterwegs wieder lauernde Flusspferde, Bienenfresser, die in der Flussböschung nisten, Krokodile, Elefanten, die zum Abend den Fluss aufsuchen und Büffel: meine Nummer 3 von den "Big Five".
Ich liege abends im Bett unter dem Moskitonetz und höre die Elefanten tröten. die Grillen zirpen, die Kraniche und Storche lärmen und die Hippos schnaufen. Den hier ortsansässigen Leoparden höre ich nicht und frage mich a) ob er nachtaktiv ist und b) ob er auch halbgeschlossene Hütten aufsucht..... Sollte morgen kein neuer Blog erscheinen, dann sind diese Fragen beantwortet.



Kommentare