Windhuk
Heute bringt mich der Flieger von Kapstadt nach Namibia, worauf ich mich ziemlich freue, ist es doch so absolut anders als alles, was ich an Reisen unternommen habe. Gegen 13.00 Uhr lande ich in Windhuk, ein sehr kleiner übersichtlicher Flughafen. Vom Flieger läuft man hier noch ins Flughafengebäude. Da zwei Maschinen gleichzeitig ankommen, dauern die Einreiseformalitäten ziemlich lange und das Gepäck ist weit vor mir eingereist, was auch nicht so häufig vorkommt. Eine Dame der Reiseagentur holt mich ab. Mein erster Kontakt mit betreutem Reisen. Eine junge Dame führt mich zum Geldautomaten, zum Telefonkartenshop und zur Autovermietung. Alle liegen insgesamt höchstens 15 Meter auseinander. Hm, vielleicht sollte ich mit einer Betreuung noch warten. Nichts, was ich nicht auch selbst hinbekommen hätte. Die Autovermietung spielt mir einen Film vor, wie ich fahren soll. Dem Video zufolge ist das Gefährlichste an diesem Land das zu schnelle Fahren. Schotterpisten sind die (deutschen) Europäer nicht gewohnt und so kommt es zu Unmengen an Unfällen, im Vergleich zu Europa 50fach so viele. Ich werde das beherzigen.
Dann endlich stehe ich vor meinem Auto. Leider nicht der Jeep, den ich erwartet habe, aber immerhin etwas höher gelegen. Müsste gehen. Der rechte Reifen ist sehr platt und wird mir zunächst als normal verkauft, da die Reifen hier aufgrund der Schotterstrecken generell weniger mit Luft befüllt werden. Dieser hier sieht aber nicht weniger befüllt, sondern einfach platt aus. Man macht sich nach einigem Zögern auf den Weg zu prüfen und siehe da. Er war defekt. Dann hoffen wir mal, dass ich die Nummer mit dem kaputten Reifen damit durchhabe.
Vom Flughafen sind es 45 Kilometer in die Stadt, was mir die Gelegenheit gibt mich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Am Anfang denke ich wie immer das klappt nie. Aber es funktioniert recht gut. Auf den Straßenschildern wird vor Warzenschweinen gewarnt. Wir fangen klein an mit den Tieren. Zwar sehe ich die Schweine nicht, dafür aber viele Paviane überall auf Straße und am Straßenrand. Hui, aufregend. Nach einem kleinen Einkauf komme ich in meinem heutigen Resort an. Sehr luxuriös, sehr gesichert mit Soldaten - zumindest sind sie in Uniform. Scheint nötig und fühlt sich ganz gut an. Alle organisatorischen Dinge laufen leider nicht rund und dauern eine Ewigkeit. Es ist bereits halb 7 als ich mit dem Zimmerbezug fertig bin und denke mir ich kann ja mal noch kurz die Umgebung erkunden. Nach bereits 500 Metern ist es mir etwas mulmig. In der Dämmerung tauchen viele merkwürdige Gestalten auf. Mehrere Jungs nähern sich mir und wollen Geld bzw., dass ich ihnen etwas im Supermarkt kaufe. Sie kommen mir sehr nahe und wirken ziemlich aggressiv. Ich gehe schneller weiter. Einer lässt nicht von mir ab und kommt extrem nahe, ich brülle ihn an, er möge verschwinden, da greift er in meinen Rucksack – die Reißverschlüsse hat er in bereits vorher, von mir unbemerkt, aufbekommen, kann aber nichts greifen. Ich schaffe es zu verschwinden, doch er kommt immer weiter hinterher und droht mich zu töten. Kurz, ich bin schneller und zum Glück schaffe ich es unbeschadet in mein gesichertes Resort. Ich glaube wir haben beide trainiert. Er wie er zukünftig besser wird, ich, dass ich das Rausgehen in der Dämmerung bzw. Dunkelheit doch besser lassen sollte. Was mich aber den ganzen Abend schon sehr bewegt ist, dass dieser Junge einfach wirklich in Not ist. Ich lese, dass es hier eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt und insbesondere Windhuk der Ort ist, an dem sich die ganzen jungen Menschen aus den ländlichen Gebieten ansiedeln und auf eine Chance hoffen.




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