5 Kontinente

 


Aus dem Lowveld ziehen Nebelschwaden nach oben auf das Highveld. Hier oben lösen sich die Nebel dann unterschiedlich schnell auf und es ergeben sich mystische Anblicke. Teils deckt eine „Nebelwelle“ die Landschaft ein. Als erste Etappe fahre ich nach Pilgrim’s Rest, ein historischer Ort, der im 19. Jahrhundert zum ersten Goldrausch in Südafrika entstanden ist und heute sehr pittoresk daherkommt. Überall stehen Jacaranda-Bäume in voller Blüte, unter ihnen ergeben die abgeworfenen Blüten einen violetten Teppich.


Weiter geht es nach God’s Window, einem Aussichtspunkt auf das Lowveld. An den Aussichtspunkten muss man Eintritt zahlen, der sich aber im erträglichen Bereich von 3-7 Euro bewegt. Das Geld fließt an die Gemeinde. Zudem entstehen Arbeitsplätze. Um Betrug zu verhindern, scheint überall das 4-Augen-Prinzip zu gelten. Es ist immer eine zweite Person da, die praktisch doppelt Buch führt. An dieser Station sagt mir die Ticketverkäuferin, dass man heute nichts sehen kann. Auf meine Frage, ob es sich trotzdem lohnt, antwortet sich: Nein. Kurz zögere ich und überlege direkt weiterzufahren, doch wo ich schon mal hier bin, muss ich da jetzt hin – mit Sicht oder ohne Sicht. Ja, es ist sehr nebelig, aber im Minutentakt verzieht sich der Nebel, mal teilweise, mal ganz, um dann wieder komplett zuzuziehen. Aussichten, die im Nebel liegen, sind oft wunderschön, ich hätte etwas verpasst.

Zwei geplante Stationen, ein Wasserfall und eine Brücke, lasse ich aus, da unglaublich viel zu sehen ist und ich vor Sonnenuntergang in Hoedspruit sein will. ‚Bourke Potholes‘ ist ein kleiner Wasserfall, der in eine kleine Schlucht fließt. Hübsch, aber nicht so riesig. Die ‚Three Rondavels‘ sind dagegen großartig. Die Felsformation sieht aus wie die afrikanischen Rundhütten und ist  am Blyde-River-Canyon gelegen. Es ist der drittgrößte Canyon der Welt. Eine Aussicht auf den verbreiterten Fluss ist schlicht atemberaubend. Beim Eintritt hier, läuft die Verkäuferin mit dem Kartenterminal, Hände in die Höhe, über den Parkplatz, um ein Signal zu bekommen. Ich frage, ob sie eine Leiter gebrauchen könnte. Sie lächelt und antwortet: das wäre schön. Man stelle sich dieses Gespräch in einem Berliner Supermarkt vor. Die Antwort wäre mit Sicherheit eine andere. Am Aussichtspunkt werde ich von einem Autoaufpasser in schwarz, rot, gold betreut. Er lächelt mich nach meinem erstaunten Blick an und sagt: „german style“. Ich schlage ihm als Entgelt 10 Rand vor, die er mir auf die 20 Rand aber wechseln müsste, oder aber er zahlt mit einem Foto. Die Entscheidung ist schnell getroffen.




Immer weiter fahre ich durch das fantastische Highveld und bin plötzlich wieder unten im Lowveld angekommen, in dem die Obstplantagen zurück sind. Mangobäume so weit das Auge reicht. Am Straßenrand sammeln sich die Obstpflücker und warten auf ihre Busse, die sie nach Hause bringen. Einen kleinen Schlenker mache ich noch zum Riesen-Baobab. Die Sonne steht schon tief, was, mit dem Licht im Rücken ein großartiges Bild ergäbe. Doch um aus dieser Perspektive zu fotografieren, müsste ich durch das hohe Gras wandern. Dort sieht man nicht, was sich da so alles rumtreibt. Jemand hat mir kürzlich gesagt, dass die schwarze Mamba sich insbesondere in oder an Obstplantagen aufhält. Es wird eine Gegenlichtaufnahme.

Kurz nach 18.00 Uhr erreicht ich Hoedspruit und lande in einem eingezäunten Wildreservat, in dem meine alten Freunde, die Impalas und Zebras herumlaufen. Der heutige Gastgeber sagt mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsse, hier gäbe es keine gefährlichen Tiere, nur Leoparden. In dem Reservat gibt es Privathäuser und einige Lodges, die an der Straße Reflektoren aufgestellt haben, damit man im Dunkeln die Abfahrt nicht verpasst. Stellt sich die Frage sind die Katzenaugen jetzt Katzenaugen oder sind die Katzenaugen dann doch Katzenaugen????

Die heutige Fahrt führte mich gefühlt durch 5 Kontinente. Über europäische Gebirgshochstraßen durch australische Eukalyptuswälder durch asiatische Regenwälder an amerikanischen Canyons vorbei, blockiert von afrikanischen Pavianhorden.

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel