Afrika macht glücklich
Am Abend dachte ich noch es wäre schön die Tür einfach über Nacht aufzulassen und morgen freien Blick auf die Ebene zu haben. Aufgrund möglicher Tierbesuche lasse ich das, was angesichts der niedrigen Temperaturen in den frühen Morgenstunden klug ist. Die Federbetten erschienen bei den Tagestemperaturen zu Beginn noch absurd, erklären sich aber sehr schnell bei den niedrigen Nachttemperaturen und halten einen kuschelig warm. Manchmal stehen auch Heizdecke und Wärmflasche zur Auswahl
Höchst ungern verlasse ich das Dolomite-Camp. Die Hütten auf dem Berg mit dem Rundumblick sind fantastisch. Aber es kommt ja täglich neues Spektakuläres auf mich zu. Zunächst geht es auf ungepflasterter Straße zum Parkausgang. auf dem Weg eine kleine Straßensperre durch zwei Giraffen und dann ein gepflegtes Auschecken am Galton-Gate. Mangels Internets auf dem Weg hierher kann ich endlich meine Streckenführung auf Google Maps aufrufen, man fühlt sich ohne recht hilflos. Die Dame am Kontrollpunkt versorgt mich mit WLAN und plaudert ein wenig mit mir. Hätte sie mir noch Tee und Gebäck gereicht, es hätte mich nicht gewundert. Auf dem Weg nach Palmwag ändert sich die Landschaft kolossal. Es wird immer hügeliger und der Staub wird rot. Zunächst fahre ich auf bestens geteerter Straße bis nach Kamanjab, einer Stadt mit Supermarkt, Tankstelle und Geldautomaten. Es laufen barbusige Damen herum, Himbas, ein altes Volk, das noch komplett ursprünglich lebt. Unweit des Ortes gibt es ein Dorf des Volkes der Himba, die eigentlich weiter nördlich leben. Ein Schild am Straßenrand verweist darauf. Da ich sowieso vorhatte diese Menschen zu besuchen, biege ich ab und werde von zwei Herren begrüßt, die eine Führung anbieten. Beide sind von hier. Die Himba leben komplett aus der Zeit gefallen. Es gibt eigentlich gar nichts, was aus der heutigen Zivilisation stammt. Sie leben so wie seit Ewigkeiten. Das heißt zuvorderst: Sie sind kaum gekleidet, alle sind oben ohne, Männer wie Frauen und das völlig ungeniert. Wasserversorgung, Strom, irgendwelche elektrischen Geräte gibt es nicht. Die Hütten sind traditionelle Rundhütten aus einem Holzgerüst, das mit Kuhdung und oft auch dem Material der Termitenbauten zugespachtelt ist. Die Hütten halten bis zu 10 Jahren, müssen lediglich immer wieder nach der Regenzeit ausgebessert werden. Mir werden die Techniken der Körperpflege, des Schminkens und vieles mehr gezeigt. Die Himba leben polygam, in diesem Dort gibt es 7 Männer, 25 Frauen und 26 Kinder. Es geht wieder nach Anzahl Vieh. Je mehr, desto mehr. Ich schrieb darüber. Mein Guide hat nur eine Frau, also müssen hier einige sehr viel Vieh haben. Ein wenig empfinde ich solche Veranstaltungen zwar als hochspannend, aber auch als von mir unverschämt, da ich in die Intimsphäre der Leute eindringe. Dagegen steht, dass sie sich darüber finanzieren. Leider sind die Männer alle mit dem Vieh beschäftigt – die Motivation dazu kann ich nachvollziehen.
Hinter Kamanjab folgt dann nur noch Schotterpiste. Am Anfang gibt es eine Baustelle, ein Arbeiter winkt wie wild mit einer roten Fahne, so dass ich vor Schreck gut 100 Meter von ihm entfernt anhalte. Darauf wedelt der noch wilder und deutet, dass ich näherkommen soll. Es folgt ein kurzer Plausch, wir lachen über meine Fehldeutung, er meint es sei heiß, ich biete ihm gegen ein Foto eine Flasche Wasser an. Daraufhin sehe ich quasi nur noch ein weißes Gebiss, das mich anstrahlt. Ein weiterer Arbeiter führt einen Tanz mit seiner Fahne auf, als hätte er Flatterbänder in der Hand und befände sich bei den Weltjugendspielen. Fast steige auch ich aus und tanze mit. Es geht sehr lustig zu auf afrikanischen Baustellen. Diese Situationen kommen so oft vor und machen einfach gute Laune.
Langsam wird es noch hügeliger und ich erreiche das magische Damaraland mit großartigen Felsformationen. Auf dem Weg gibt es einige platte Reifen. Ein Glück nicht bei mir. Dem ersten Fahrer versuchen schon zwei weitere zu helfen – er hat kein passendes Werkzeug. Leider passt auch meines nicht. Keine 500 Meter weiter steht der nächste, der aber allein zurechtkommt. Und dann stehen da wieder Tramper, zwei Jungs. Ich kämpfe mit mir…. Und: halte an. Ich weiß ich sollte nicht, aber es geht nicht anders. Karmapunkte sammeln. Der kleinere der beiden Brüder muss zur Schule. Ihn nehme ich bis Palmwag mit und verfüttere dabei alles, was ich dabeihabe, bis er friedlich auf dem Beifahrersitz einschläft 😊. Zum Schluss gebe ich ihm noch eine Packung Kekse für den Schultag mit. In Palmwag steigt er aus und ich fahre in meine heutige Lodge.
Dort begrüßt mich ein Wüstenelefantenbulle. Der macht hier den Gärtner und futtert die Hecken kurz, rammt dabei aber die Hütten und so sind einige Beulen sichtbar. Die Mitarbeiterin erzählt mir, dass der öfter vorbeikommt, mitunter auch mehrere Tage im Camp bleibt. Man scheut sich ihn zu entlassen. Heute Abend brauche ich zusätzlich zur großen Taschenlampe noch den Spaten für den Rückweg im Dunkeln. Als ich später ins Restaurant gehe, höre ich es rechts von mir knistern – er ist an der nächsten Hecke zugange. Während des Essens knackt es wieder im Gebüsch und da ist er wieder, wandert einmal ums Restaurant, macht „kurz“ sein Geschäft – so ein Elefant strullert seeeehr lange, um dann am Pool wieder nachzufüllen.
Afrika macht glücklich.



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