Am "Ort, wo nichts ist"


..., also der Namibwüste, komme ich heute Nachmittag an. Das Volk der Nama bezeichnet mit "Namib" einen leeren Platz oder eben einen 'Ort, wo nichts ist'. Letztlich ist dann aber eine ganze Menge da, obwohl das hier der Vorstellung von einer Wüste schon sehr nah kommt. Südlich von Svakopmund reichen Sanddünen bis an den Atlantik und fügen sich zu immer neuen Formationen zusammen, die, insbesondere wenn die Sonne tief steht, traumhaft aussehen.

Weht es zu stark aus Richtung Osten, dann sind Teile der Ortschaften, wie z.B. 'Langstrand' (der Name könnte treffender nicht sein, da sehr lang und sehr Strand) bedroht. Die Dünen kennen keine Gnade und begraben alles unter sich. In Walfisbay geht es in Richtung Osten und meine Vorstellung war, dass es hier mit den Dünen so weiterginge. Aber weit gefehlt. Zunächst kommt alles dem Begriff Namib sehr nah, bevor es hügelig wird und man durch kleinere Schluchten fährt. Gut 200 Kilometer führt der Weg durch ein Geröllfeld. Kurz vor dem Ort Solitaire sieht man in der Ferne an den Bergen rötliche Sandverwehungen. Die ersten Namibdünen, die einem im Katalog versprochen werden, schimmern in der Sonne. Ein Anfang :)

In Solitaire wäre es wortwörtlich einsam mit genau einer Tankstelle, einer Autowerkstatt, einer Kirche, vielen kaputten Autos, einer Touristeninformation und einer Bäckerei, wenn, ja wenn da nicht diese Horden von Touristen wären. Außer der Kirche nutzen diese alles, was vorhanden ist - mit Ausnahme der Kirche. In der Bäckerei gibt es einen sehr guten Apfelkuchen mit Sahne. Was liegt in einer Wüste an einem abgelegenen Ort bei 37°C näher, als dort Apfelkuchen mit Schlagsahne zu essen? Irgendjemand hat das mal im Lonely Planet aufgeschrieben und nun mümmeln europäische Heerscharen hier ihren Apfelkuchen, ähnlich wie bei Mustafas Gemüsedöner in Kreuzberg.

Es gibt hier, wo nichts sein soll, also ziemlich viel. Auch Bäume findet man hier - wahre Überlebenskünstler - vertrocknete Gräser und wieder diese wunderschönen Oryx-Antilopen, das Nationaltier Namibias. Die heutige Lodge bietet Camping2Go, die wirklichen Hütten sind ausgebucht gewesen, so dass ich dort unterkomme. Wobei mir unklar ist, wo der Unterschied zur eigentlichen Hütte liegen soll.


Auf einem gut 10 Meter langen und 5 Meter breiten Betonsockel steht solide gemauert ein geräumiges Badezimmer, woran sich ein etwa 30 qm großes, stabiles Zelt anschließt. Hier könnte eine ganze Kompanie nächtigen. Camping für alte weiße Männer, die zwar campen wollen, deren Rücken das aber nicht mehr mitmacht. Alles inclusive Kühlschrank, Küchenzeile und Klimaanlage (deren Effizienz bei Zeltplane mager ausfällt). An den eigentlichen Ort des Geschehens fahre ich morgen in aller früh und bin mächtig gespannt. 

Am späten Nachmittag erkunde ich noch den "Waldlehrpfad". Drei Wanderungen bietet die Lodge an mit ausgearbeitetem Programmheft. Dort wird dann von der Tierwelt berichtet, z.B. von der hiesigen Schlange, die sich so gut angepasst hat, dass sie die Farbe des Sandes angenommen hat und dazu noch dazu neigt sich einzubuddeln. Die Sichtbarkeit geht gegen null, als Trost heißt es dort aber wenigstens noch, dass der Biss zwar enorm schmerzhaft sei und man einige Zeit etwas davon hätte, aber wenigstens sei die Schlange nicht tödlich. Auch bei den heimischen Skorpionen gäbe es einen, der 'nur' sehr schmerzhaft sei, ein anderer wiederum potenziell tödlich. Einer hat kurze, dicke Scheren, einer lange, dünne. Kann ich mir nicht merken, laufe also vor allen davon (so ich die Zeit habe).


Es geht entlang der versteinerten Dünen und macht Spaß. Oryxe queren meinen Weg und ich bewundere die Webervögel mit ihren Riesenbauten.

Man findet an anderen Orten einzelne Nester, hier wohnen die in der Platte. Monströse Gebilde hängen am Baum und die Vögel fliegen von unten in die vielen Nestöffnungen. Regnet es, so saugen sich die Gemeinschaftsnester voll und bringen den einen oder anderen Ast zum Brechen, mitunter kippt ein ganzer Baum. 

Ein perfektes Buffet-Dinner rundet den schönen Tag ab. Ich wage mich an Springbock, letztlich ein Impala, das ich hier esse. Und es schmeckt sehr lecker, ein wenig wie Reh.



 

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