Ausgehen
Mein Weg führt mich in ein nettes Cafe, in dem ich den Tag vorüberziehen lasse und tatsächlich einige Weiße sehe. Die Temperaturen sind durch den Regen deutlich niedriger als die vorangegangenen Tage, auch heute Morgen regnet es noch ausgiebig und über den gesamten Tag ziehen Gewitter auf. Hier im Cafe könnte es auch Europa sein, mal abgesehen von den hochsommerlichen Temperaturen und - größter Unterschied - der Servicementalität. Es gibt zum einen sehr viel Personal im Service, zum anderen aber treten diese in höchstem Maße höflich und zuvorkommend auf. Es wird viel gelächelt und alles möglich gemacht, was in der Macht des Personals liegt. Patzig, dieses Wort gibt es hier nicht. Aber die Höflichkeit findet sich allgemein im Alltag. Egal, ob man sich kennt oder nicht: man grüßt sich. Gestern hatte ich an einer sehr engen Stelle des 'Bürgersteigs' etwas Tempo drauf. Vor mir ging ein junger Mann, registrierte, dass da jemand schneller ist, und machte mir Platz, damit ich vorbeikann, ohne dass ich tatsächlich eingefordert hätte. Auto wird vorsichtig und rücksichtsvoll gefahren. An den (Berg-) Zebrastreifen und an Bahnübergängen halten die Fahrer grundsätzlich an und signalisieren das an den nachfolgenden Verkehr mittels Warnblink. Kommt man aus Berlin, der Hauptstadt der Patzigkeit, wähnt man sich auf einem völlig anderen Stern. Am ergreifendsten ist für mich eine Geste, mit der man dem anderen Respekt zollt: rechte Hand auf die Brust, leichtes Kopfnicken und dazu "hello, how are you". Sie ist überall zu sehen.
Am späten Abend gehe ich mit dem Rezeptionisten essen und lasse mir viel über Sambia, Familien, Leben usw. erklären. Eine reiche Quelle. Leider ist das Treffen erst um Mitternacht - sein Dienstende ist um 23.30 Uhr. Derweil warte ich draußen auf der menschenleeren Straße. Niemand ist unterwegs, auch Dwayne nimmt nach Ende des Restaurants ein Taxi für den 15 Minuten Fußweg nach Hause. So ganz von der Hand zu weisen sind die Warnungen vor Kriminalität dann wohl doch nicht.
Kommentare