Entwicklungsstufen
Den gestrigen Abend noch vor Augen, kann ich mir nicht vorstellen, wie das noch zu übertreffen ist. Aber wie immer erwarte ich nichts und fahre heute etwas später los - dieses Mal auf meine ganz private Pirschfahrt. Da es schon später Vormittag ist, befinden sich die meisten Tiere irgendwo im Schatten. Aber ich finde dennoch schon allein genug Tiere. Ich mache Fortschritte. Mitunter passt eine ganze Herde Impalas in den Schatten eines jämmerlichen Buschs.
Augen für eine frühe Feindmeldung sind hier definitiv ausreichend vorhanden. Auch der Feind, ein Löwe döst unter dem einzigen Baum weit und breit und wartet auf angenehmere Jagdtemperaturen. Die Menschen dagegen jagen vollklimatisiert den ganzen Tag und beweisen dabei recht oft, dass die Abstammung vom Affen nicht zu leugnen ist. So steht man gerade ganz offensichtlich am Straßenrand und fotografiert etwas und ein 4x4 stellt sich einen halben Meter vor die Linse. Der Kegelverein aus Bottrop-Süd mit Trägershirts, ausgewaschenen Tennissocken in Badelatschen (auch diese Mode der 80er ist zurück) brüllt im Resort lautstark (also Gattung Gorilla) die arme Bedienung an, was die aber so gar nicht anficht und weiter höchst freundlich lächelt. SIE befindet sich auf einer höheren Entwicklungsstufe. Tja, der Mensch, das Zentrum des Universums.
Recht früh erreiche ich die Unterkunft, ein weiteres staatliches Resort mit angeschlossenem Wasserloch. Ich werde von meinem Reiseveranstalter gewarnt, dass hier der Standard nicht so wie gewohnt sei. Unverständlich. Warum erschließt sich mir nicht so ganz, alles ist super, groß, sauber und perfekt.
Den Nachmittag verwende ich für die Reiseplanungen ab Mitte Dezember. Wird Zeit, da Flüge und Unterkünfte insbesondere um Weihnachten herum nicht günstiger werden. Noch ist das Weihnachtsziel nicht entschieden, aber es zeichnet sich langsam ab, was ich will und kann.
Voller Spannung gehe ich zum Sonnenuntergang zum hiesigen Wasserloch. Heute ist Giraffenabend. 8 Giraffen nähern sich sehr scheu und bleiben im Orange des Sonnenuntergangs stehen und es sieht aus wie eine Scherenschnitt-Performance. Nach dem Abendessen planschen dann zwei Nashörner im Wasserloch und das Publikum wird gepudert - es ist enorm windig und der feine Sand findet den Weg in und an jedes Körperteil.

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