Kaffeefahrt

 


Der gestrige Plan hatte einen Haken: was tun bei weiterem loadshedding? Der Wagen springt tatsächlich nicht an und blöderweise ist der Strom auch wieder weg. Also kann ich auch heute Morgen nichts tun, denn ein Anruf ist unmöglich. Ich lerne, dass auch das Wasser nicht fließt, wenn es keinen Strom gibt. Wann immer jedoch etwas schief läuft, bilden sich (riechende) Schicksalsgemeinschaften und man hat Gesprächsstoff. Die Nachbarn rechts von mir beginnen den Tag mit Jägermeister und bieten mir auch davon an, was ich leider ablehnen muss, da ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass ich heute noch hier wegkomme. Es wäre auf jeden Fall mal ein Experiment anders zu frühstücken. Sie ist Lehrerin und würde gern nach China und in die USA reisen, er arbeitet in einer Kohlemine und will das auf gar keinen Fall. Sie ist heute in eine erweiterte Netzstrumpfhose gewandet, was zusammen mit ihrer enormen Körperfülle einen sehr besonderen Anblick bietet. Sie mag es, er mag es wahrscheinlich noch mehr. Alles ist gut. Die andere Seite organisiert Wasser und kocht es für eine Katzenwäsche, damit man wenigstens oben herum vorzeigbar ist. Erstaunlich ist, dass niemand das System in Frage stellt. Es ist hier seit Jahrzehnten so und man beschwert sich eher, dass der Lodge-Besitzer da nicht mit Solarpanelen vorsorgt. Die Anwohner zahlen den Strompreis an die Kommune, nur leider „verschwindet“ das Geld dort auf unerklärliche Weise und die Stromlieferung kommt zum Stillstand. Mitunter gibt es 4 oder 5 Stunden am Stück keinen Strom, so dass die gesamte Wirtschaft darunter leidet. Arbeitsergebnisse werden zerstört, Fabriken müssen schließen. Ein Drama.


Mein Drama endet kurz nach 10.00 Uhr und ich bekomme meinen Ersatzwagen angeliefert. Bevor ich abfahre, übe ich mit dem Nachbarn von gestern Abend noch eben den Männergruß. Dazu schüttelt man erst die Hand ganz normal, wechselt dann in ein Daumen-Handflächen-Verhaken und wieder zurück ins normale Händeschütteln. Zwangsläufig führt man dabei einen halben Tanz auf. Kurz vor 12.00 Uhr bin ich auf der Strecke und muss erst einmal dringend frühstücken. Durch die Berge fahre ich entlang der Panoramaroute und komme mir wie bei einer sonntäglichen Kaffeefahrt in die Berge vor. Die Szenerie erscheint sattgrün und europäisch, die Hitze wabert. Ein klassischer Hochsommertag in Deutschland. Nur, dass es hier jede Menge Plantagen mit Früchten gibt, die wir nur aus dem Supermarkt kennen. Orangen, Bananen, Macadamiabäume, Avodado. Am Straßenrand stehen etwa 50 Verkaufsbuden, die alle genau eine Ware im Angebot haben: Macadamias. Die Dame, die am heftigsten winkt, bekommt den Zuschlag und ich fahre mit zwei großen Beuteln für wenig Geld weiter.


Die Berge werden zu einem großen Teil zur Holzwirtschaft genutzt mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen. In Graskop komme ich am späten Nachmittag an und werde von der Pensionsbesitzerin erst einmal für meinen morgigen Tag gebrieft. Auf einer kleinen Karte notiert sie die jeweiligen Programmpunkte durchnummeriert mit ungefähren Zeitvorgaben. Wozu in Gottes Namen sollte ich mir einen Reiseführer kaufen? Das geht so viel besser. Bei einem T-Bone-Steak, Lagerfeuer und mit bezauberndem Personal klingt der Tag in herrlicher Kühle auf 1800 Metern Höhe aus.


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