Livingston
Viel mehr als Sambesi und die Wasserfälle gibt es in Livingstone touristisch nicht zu erleben. Da ich das alles durch habe, ist wieder Orga-Tag. Wäsche will gewaschen werden, die Post aufgesucht und wenn ich wollte, dann könnte ich auch ins Beauty-Studio gehen.
Die Post ist großartig. Ein großer Schalterraum, in dem keiner ist und wohl auch nie sein wird, denn benötigt wird sie wohl kaum. An einem Schalter sitzt aber doch eine Dame, die für Briefmarken für die Postkarten nach Europa erst einmal in den Magazinen stöbern muss und schließlich mit einem abgewetzten DIN A4 – Umschlag zurückkommt. Alles andere ist im Übrigen auch abgewetzt. Postkarten schreibt hier mit Sicherheit kein Einheimischer und außer mir scheint es zumindest außerhalb der Luxushotels am Sambesi keine Weißen zu geben. Die übliche Reise geht vom Flughafen zum Hotel und dann komplett geführt. Da ist ein Post- oder Marktbesuch nicht drin. Anders als in Namibia oder Südafrika falle ich hier sehr auf und man merkt, dass in Sambia kaum Weiße leben. Laut Internet beträgt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung unter einem Prozent. Da ist man schnell bzw. im Fokus und kann gut nachvollziehen, wie es sich für einen Schwarzen in Deutschland anfühlt, der einfach nur durch die Straße geht.
Der Hauptmarkt in Livingstone bietet alles, was ein Kaufhaus auch anbietet, nur dass hier alle möglichen Händler für sich wirtschaften und das meiste, zumindest im Bereich der Klamotten, wohl Second Hand ist. Ich ärgere mich sehr darüber, dass ich vor meiner Reise nicht daran gedacht habe, ein wenig Kleidung mitzunehmen, die ich nicht mehr benötige. Ein Stand bietet Rucksäcke an und mir kommt die Idee den Händler nach einer Zange zu fragen, da an dem Reissverschluss meines Rucksacks die Schieber lose sind. Man müsste sie zusammenkneifen. Er nimmt den Rucksack, beißt die Schieber zusammen, fertig, und reicht mir den Rucksack lächelnd zurück. Ich schwanke zwischen Scham und Lachen und entscheide mich für Letzteres. Tja, der blöde weiße Mann ist wenig kreativ. Das erinnert mich an eine Begegnung in Asien, bei der eine Gruppe Europäer unter einem Mangobaum stand und lange durchdiskutierte wie man denn nun die Früchte am besten herunterbekommt. Ein Einheimischer erschien auf der Bildfläche, nahm einen Ast, warf diesen hoch, fing die herunterfallende Frucht auf und ging weiter seines Weges.
Weiter unternehme ich nichts, genieße aber am Abend die mächtigen Gewitter über Livingston und spreche ein wenig mit meinem Rezeptionisten über dies und das. Seine Arbeitszeiten sind 6 Tage die Woche mit jeweils 9 Stunden. Urlaub gibt es genau 0 Tage.





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